Wappen
Frühlingslied

Die Luft ist blau, das Tal ist grün,
die kleinen Maienglocken blühn
und Schlüsselblumen drunter;
der Wiesengrund ist schon so bunt
und malt sich täglich bunter.

Drum komme, wem der Mai gefällt,
und freue sich der schönen Welt
und Gottes Vatergüte,
die diese Pracht hervorgebracht,
den Baum und seine Blüte.

Ludwig Hölty
(1748 - 1776)

Eine kleine Zirkusvorstellung mit der Kindergruppe.
Es spielt die Original Donauschwäbische Blaskapelle Reutlingen.
Es singt der Banater Chor Reutlingen.
Gedichtvorträge und gemütliches Beisammensein.

Fröhliches Frühlingsfest der HOG

Sackelhausen am 15.Mai 2011 in Reutlingen

"Alles neu macht der Mai...", heißt es in einem Kinderlied. Der Mai ist der Monat, den man am ehesten mit dem Frühling in Verbindung bringt. Nicht umsonst bezeichnet man ihn als Wonnemonat. Wenn die Maiglöckchen blühen, der Akazienduft Strassen überflutet und die Maiforelle besonders köstlich schmecken soll, ist auch die Zeit vieler Feste.

Auch die HOG Sackelhausen feiert aus diesem Grunde seit vielen Jahren ihr traditionelles Frühlingsfest, zu welchem die Vorsitzende zahlreiche Landsleute, Freunde, Gäste und eine hübsche Kinderschar in einem frühlingshaften Ambiente begrüßen konnte.

Dass der Lenz schon seinen Einzug in das Programm genommen hatte, konnte man anhand der betörenden Klänge der Original Donauschwäbischen Blaskapelle Reutlingen unter der Leitung von Johann Frühwald wahrgenommen. Danach hieß es: Manege frei für Kinderzauberei!

Edeltraud Willjung hatte mit den Kindern eine Zirkusvorstellung mit einem bunten fröhlichen Programm vorbereitet und herzhaft lachen konnten alle, die am Sonntag das Frühlingsfest in der Altenburger Festhalle besucht hatten. Für eine dazu passende Bühnendekoration hatte die Künstlerin, die viel malt, gesorgt.

„Die Vorstellung war gespickt mit Clown-Nummern (Franziska und Senta), die Seiltänzerinnen (Cora, Vanessa, Lena), die Inlinerinnen (Sara und Celine) und die Einrad-Fahrerin (Senta) zeigten zu klassischer Zirkusmusik ihr Können. Außerdem wurden Hula-Hoop-Reifen geschwungen (Juliane, Cora, Vanessa, Tanja), Seil gesprungen, auf Stelzen gelaufen, Rad geschlagen, Teller gedreht und selbstverständlich gab es auch einen gefährlichen Löwen (Lena), den die Dompteurin Juliane durch den Reifen springen ließ. Die Ansage machte die Zirkusdirektorin Melina. Mit Begeisterung machten alle Kinder zwischen vier und zwölf Jahren mit und der sprichwörtliche Funken sprang auf das Zirkuspublikum über.

Ein nicht endend wollender Applaus und hübsche Belohnungen erfreuten die kleinen Artistinnen.“ (Edeltraud Willjung)

„Singen ist das Fundament zur Musik in allen Dingen“, wusste schon Georg Philipp Telemann, ein deutscher Komponist des Barocks, geboren 1681 in Magdeburg, gestorben 1767 in Hamburg. Er prägte durch neue Impulse sowohl in der Komposition wie auch in der Musikanschauung, maßgeblich die Musikwelt der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Damals schon riet er dazu, das Singen jungen Menschen fleißig einzuprägen. Schon beim Embryo sind noch vor den Ohren die Stimmbänder ausgebildet. Singe eine werdende Mutter, erlebe das Kind dies im Mutterleib ganz stark mit. Auch in den ersten Monaten nach der Entbindung könne die Mutter mit ihrem Gesang nachhaltig zum physischen und psychischen Wohlbefinden des Kindes beitragen. Musik kennt keine Grenzen und Musik verbindet. Dies kann der Banater Chor Reutlingen unter der Leitung von Hans Neu auch bezeugen. Auf eine vielseitige musikalische Reise umrahmt mit Gedichtvorträgen wurde das Auditorium eingeladen mit Melodien wie:

„Erlaube mir fein’s Mädchen“ von Johannes Brahms, „Heidenröschen“ von Heinrich Henze, „Bastien und Bastienne“ von W.A. Mozart, „Santa Lucia“ von Luigi Gordiani u.a.

Auch ein Osterlied aus Sackelhausen komponiert von Kantorlehrer Hans Graf (1900-1987) und im Jahre 2010 bearbeitet von Dr. Franz Metz, wurde vom Banater Chor Reutlingen unterstützt von 7 Blechbläsern, vorgeführt.

„Hans Graf kam am 6. August 1900 in Perjamosch zur Welt. Er kannte nicht nur den Dichter-Pfarrer Karl Grünn aus seinem Heimatdorf gut, den er mit Schirm auf dem Hotter herumspazieren sah, sondern auch den Perjamoscher Ozeanflieger Georg Endres und den im selben Jahr 1900 geborenen Maler Franz Ferch, mit dem er gemeinsam die Bürgerschule seines Heimatdorfes besuchen konnte.

Im Jahre 1925 legte Hans Graf in Großwardein die Kantorprüfung ab und wurde danach, wie es im Kantorendiplom zu lesen ist, „in den Kreis der Kantoren aufgenommen.“

1929 hat er sich um die Kantorlehrerstelle in Sackelhausen beworben.

Die Gemeinde Sackelhausen, damals mit rund 4.000 Einwohner eine der größten schwäbischen Dörfer im Banat, sollte sich als sehr schulfreundlich und offen für gute Initiativen erweisen.

In der katholischen Kirche stand Hans Graf als Organist die kleine Wegenstein-Orgel zur Verfügung, die er, so Heinrich Lauer, „… das Donnern und Brausen, das Zittern und Beben wie das leise und jubelnde Singen lehrte.“ Mit seinem Männerchor trat er bei allen festlichen Anlässen auf und widmete ihm sogar einige kleinere Kompositionen. Eines dieser Werke, komponiert für das Osterfest, ist uns erhalten geblieben.

Diese anhaltende Kulturarbeit in der Schule, an der Orgel, im Garten, zu den natürlich auch das Laientheater gehörte, darunter auch Aufführungen in schwäbischer Mundart, all das ging mit dem Ausgang des Krieges bitter zu Ende. Am 16. September 1944 musste die gesamte Familie wegen der herannahenden Front in Richtung Westen ziehen, die dröhnenden rumänischen Kanonen vom Temeswarer Stadtrand im Rücken. In Hatzfeld angelangt, kam Hans Graf mit seiner Familie in einen Transport in Richtung Österreich. Zwischen Dezember 1945 und Mitte Juli 1946 konnte er sein Talent als Lehrer und Kantor sogar in einer österreichischen Pfarrei unter Beweis stellen. Über ein halbes Jahr unterrichtete er in Münzkirchen Flüchtlingskinder und spielte die Orgel in der katholischen Kirche des Ortes. Vor seiner Rückkehr in die Banater Heimat, überreichte ihm der Pfarrer für sein „eifriges und erfolgreiches Wirken“ in Münzkirchen aus Dank ein Zeugnis:

Vom gefertigten Pfarramte wird bestätigt, dass Herr Johann Graf in den Monaten Dezember 1945 – Mitte Juli 1946 in der hiesigen Schule für die Flüchtlingskinder als Lehrer tätig war. Ebenso hat Genannter auch in liebenswürdigster Weise den Organistendienst in der hiesigen Pfarrkirche besorgt nach dem Tode der Organistin S. M. Ascelina. Für sein eifriges und erfolgreiches Wirken kann Herrn Graf nur das allerbeste Zeugnis ausgestellt und recht innigen Dank ausgesprochen werden.

Nach seiner Ankunft im Banat, fand er gänzlich veränderte Zustände vor. So musste er, um seine Familie erhalten zu können, zwischen 1946-1948 die Mühle in Ketfel bis zur Enteignung leiten. Danach wirkte er zwischen 1948-1953 als Direktor der Mehalaer Schule in Temeswar. Doch nach der Schulreform musste er diese Stelle abgeben und durfte nur mehr als Hilfslehrer an mehreren Temeswarer Schulen tätig sein. Durch seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse hat er die Versuchsstation der Jungen Naturfreunde ins Leben gerufen. Dadurch konnte er sein Wissen im Bereich der Pflanzenwelt später auch an die Studenten der Agronomiefakultät weitergeben. Im Jahre 1963 wurde er in den Ruhestand versetzt.

Hans Graf starb am 28. September 1987 in Temeswar.“ (Dr. Franz Metz)

Katharina Ortinau