Wappen

Einladung

 Am 27. September 2014 feiert die Heimatortsgemeinschaft Sackelhausen ihr
58. Kirchweihfest mit Heimattag in Reutlingen!
Dazu lädt der Vorstand der HOG Sackelhausen alle Landsleute und Freunde der Banater Schwaben recht herzlich ein!

 Programm:
14:00 Uhr
Gedenkgottesdienst und Feier am Denkmal

Gedenkgottesdienst in der Aussegnungshalle auf dem
Friedhof Römerschanze in Reutlingen zelebriert durch Pfarrer Peter Zillich

Musikalische Umrahmung:
Original Donauschwäbische Blaskapelle Reutlingen
Banater Chor Reutlingen
Gesamtleitung: Johann Frühwald

Wir gedenken unserer Toten in aller Welt

Ansprache
Margarethe Hummel, Festrednerin des Geburtsjahrganges 1954

Anschließend
Kranzniederlegung am Denkmal durch den Jahrgang 1954

17:00 Uhr
Saalöffnung in der Wittumhalle in Reutlingen-Rommelsbach

Ausstellung in der Wittumhalle "Sackelhausener Trachtenpuppen".
Wer seine Puppe ausstellen möchte, möge sich bitte bei den Organisatoren
Edeltraud Willjung oder Hilde Lutz melden - 07121 - 923753.

19:00 Uhr
Einzug der Trachtenpaare und Kirchweihtanz
Grußworte der Ehrengäste

Anschließend
Kirchweihtanz für alle bis 1:00 Uhr

Der Vorstand

 

Sackelhausener Kirchweihfest in Reutlingen

Die HOG Sackelhausen hatte am 27. September zum 58. Kirchweihfest mit Heimattag eingeladen. Es war ein schöner Herbsttag und viele Landsleute waren dieser Einladung gefolgt. Das Fest begann mit einem Gottesdienst in der Aussegnungshalle auf dem Friedhof Römerschanze. Die Aussegnungshalle war festlich geschmückt, die Fahnen der Heimatkirche erinnerten an die geschmückte Heimatkirche an diesem Festtag.
Zum Einzug des Jahrgangs 1954, der Ministranten mit dem Pfarrer, erklang das Kirchweihlied  „Ein Haus voll Glorie schauet weit über alle Land“, das alle mitsangen. Zur Freude der Landsleute zelebrierte Heimatpfarrer Peter Zillich den Gottesdienst. Pfarrer Zillich hatte das Akkordeon dabei, das auch zum Einsatz kam.
Er versteht die Landsleute wie kein anderer, weiß, was dieser Tag für sie bedeutet und erreicht mit seiner Predigt alle Herzen.

Diesmal gab er den Landsleuten den Rat, die Worte von Mutter Teresa zu befolgen:
„Trotzdem. Die Leute sind unvernünftig, unlogisch und selbstbezogen. Liebe sie trotzdem. Wenn du Gutes tust, werden sie dir egoistische Motive und Hintergedanken vorwerfen. Tue trotzdem Gutes. Wenn du erfolgreich bist, gewinnst du falsche Freunde und echte Feinde. Sei trotzdem erfolgreich. Das Gute, das du tust, wird morgen vergessen sein. Tue trotzdem Gutes. Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verwundbar. Sei trotzdem ehrlich und offen. Was du in jahrelanger Arbeit aufgebaut hast, kann über Nacht zerstört werden. Baue trotzdem. Deine Hilfe wird wirklich gebraucht, aber die Leute greifen dich vielleicht an, wenn du ihnen hilfst. Hilf ihnen trotzdem. Gib der Welt dein Bestes, und sie schlagen dir die Zähne aus. Gib der Welt trotzdem dein Bestes.“

Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst vom Banater Chor Reutlingen und sechs Bläsern der Original Donauschwäbischen Blaskapelle unter der Gesamtleitung von Johann Frühwald. Nach langer Zeit wurde die Liedmesse „Versammelt hier im Heiligtume“ gesungen, die in der alten Heimat immer an den Festtagen gesungen wurde.
Nachdem Pfarrer Zillich den buntgeschmückten Kirchweihstrauß gesegnet hatte,  begrüßte der Vorsitzende Nikolaus Fuhry die Anwesenden.
Für den Jahrgang 1954 hielt Frau Margarethe Hummel die Festrede. Sie beschrieb ganz kurz die Situation der Sackelhausener.  „Wenn man die vertrauten Melodien und Texte hört, so kommt einem ein ganzes Bündel Erinnerungen an Orte, an Menschen, an Situationen, an Düften, wie Rosmarein und Geschmack in den Sinn, die alle etwas mit dem Fest zu tun haben, das wir heute feiern, nämlich das Kirchweihfest. Kein Fest im Reigen aller Feste in Sackelhausen hatte einen höheren Stellenwert, keines ließ die Herzen höher schlagen. … Dieses Fest ist wie kein anderes eng mit dem Begriff verbunden, was man Heimat nennt. Das ist der Ort, wo man geboren und aufgewachsen ist. … Heimat heißt aber auch Brauchtum und Tradition. Das ist eine große Aufgabe in unserer modernen Zeit…. Traditionen und Brauchtum bewahren ist eine Gratwanderung. … Traditionen sind im Wandel begriffen, was manchmal aber auch zu Veränderungen führen kann, die schmerzhaft sind. … Im Angesicht dessen, was in der Welt passiert, empfinden wir es als großes Geschenk in Frieden und Freiheit leben zu dürfen.“

Der Landesvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben Herr Josef Prunkl würdigte die Arbeit der HOG, bezeichnete es als eine große Leistung, das 58. Kirchweihfest zu feiern. Die Sackelhausener waren in der alten Heimat tüchtig und sind es auch hier in der neuen Heimat. Er spornte an, Brauchtum und Tradition weiter zu pflegen.

Mit einem Trauermarsch ging es unter den Klängen der Original Donauschwäbischen Blaskapelle Reutlingen  zum Sackelhausener  Denkmal, der Stätte, an der Pfarrer Zillich mit der Festgemeinde für alle Verstorbenen betete. Im Gedenken an alle Verstorbenen der beiden Weltkriege, an die Verstorbenen in der alten Heimat, in der neuen Heimat und in der ganzen Welt legten die 60-Jährigen einen Kranz nieder, während die Kapelle das Lied „Ich hatt‘ einen Kameraden“ spielte. „Wir verneigen uns vor diesen Menschen und vor allen Opfern von Gewalt, Verschleppung und Ungerechtigkeit in der Welt“ sagte Hummel in ihrer Rede.

Ab 17.00 Uhr erwartete die Besucher in der Wittumhalle eine Ausstellung, „Sackelhausener Trachtenpuppen“, auf die schon zwei Tage vorher in der Lokalpresse hingewiesen wurde. Es kamen deshalb einige Besucher nur wegen der Ausstellung, die die Puppen bewunderten. Hilde Lutz musste viele Fragen zur Tracht beantworten. Die meisten Puppen trugen die Kirchweihtracht, eine schöner als die andere. Ein  Puppenpaar, das die Alltagstracht der Sackelhausener trug, weckte viele Erinnerungen im  Gedächtnis der Landsleute, viele Gespräche über diese Zeit wurden geführt, da dieses Paar  Sichel, Sense, Steinkrug und Brotsack in den Händen hielt, die Frau das Halstuch auf dem Kopf und den Strohhut in der Hand.
Unter den Klängen der Original Donauschwäbischen Blaskapelle Reutlingen marschierten bedauerlicherweise nur sechs Trachtenpaare in die Wittumhalle, doch diese Paare waren mit Begeisterung dabei und zeigten stolz die farbenprächtige Tracht.  Nach der Polonäse führten die Trachtenpaare angeleitet von Lilly Bugarin einen Tanz vor. Die drei großen Paare Martina mit Andreas Buchmann, Lilly Bugarin mit Dennis Loris, Kira Bugarin mit Karsten Loch sorgten dafür, dass dieser Tanz nach nur zwei Proben mit den kleinen Trachtenträgern Selina Wetzler mit Ralf Raab, Mia Andress mit Cora Koller und Carla Ortinau mit Emanuel Bieber klappte und viel Applaus erntete.

Der Vorsitzende begrüßte alle Gäste, erinnerte daran, dass das erste Kirchweihfest 1954 in Wannweil gefeiert wurde, danach bis 1980 in Betzingen, 1981 in Eningen, ab 1982 in der Friedrich-List-Halle, wo 1991 über 1000 Besucher gezählt wurden, ab 2006 in der Wittumhalle, da weniger als 500 das Fest besuchten. Er verlas einen Brief des Ehrenvorsitzenden der HOG, Michael Koppi, der zum ersten Mal nicht an dem Fest teilnehmen konnte.

Der Reutlinger Landtagsabgeordnete Dieter Hillebrand bedankte sich für die Einladung und betonte in seiner kurzen Rede, dass er immer gerne zu den Festen kommt,  wünschte allen eine gute Unterhaltung.

Das Vortänzerpaar Martina und Andreas Buchmann trug den Kirchweihspruch vor und erntete reichlich Beifall. Wie in jedem Jahr wurde der schön geschmückte Kirchweihstrauß verschenkt. Überrascht wurde damit Hilde Lutz, als Dank für ihren besonderen Einsatz, hatte sie doch selbst für die Puppenausstellung einen kleinen Kirchweihstrauß geschmückt

Es folgte Kirchweihtanz für alle. Getanzt wurde bis in die späte Nacht und oft musste die Kapelle nach der Zeppelpolka das Kerweisteckelche spielen. Viele interessante Gespräche wurden geführt, trafen sich doch Bekannte, Nachbarn, Verwandte, die sich schon lange nicht gesehen hatten.

Allen, die zum guten Gelingen dieses Kirchweihfestes mit Heimattag beigetragen haben, ein herzliches Dankeschön.

Anna Uitz

 

Kranzniederlegung Friedhof Römerschanze Reutlingen

Ansprache von Margarethe Hummel

Kirchweih 2014
60ger Jahrgangstreffen 2014

Sehr geehrter Herr Pfarrer Zillich, lieber Jahrgang 1954, liebe Landsleute, meine sehr geehrten Damen und Herren!

Wenn man die vertrauten Melodien und Texte hört, so kommt einem ein ganzes Bündel von Erinnerungen an Orte, an Menschen, an Situationen, an Düften, wie Rosmarin, und Geschmack in den Sinn, die alle etwas mit dem Fest zu tun haben, das wir heute feiern, nämlich dem Kirchweihfest.

Kein Fest im Reigen aller Feste in Sackelhausen hatte einen höheren Stellenwert, keines ließ die Herzen höher schlagen. Selbst so viele Jahre danach geht beim Klang der Musik, beim Hören der Texte der Puls höher.

Warum ist das so?

Dieses Fest ist wie kein anderes eng mit dem Begriff verbunden, was man HEIMAT nennt. Das ist der Ort, wo man geboren und aufgewachsen ist. Heimat ist Urvertrauen und Zugehörigkeit. Heimat heißt verwurzelt sein. Das ist der Ort, wo Wurzeln haften. Erich Kästner spricht davon, dass die Heimat in unserem „Gedächtnis des Herzens“ einen wesentlichen Raum einnimmt. Dazu gehören natürlich auch all´ die Menschen, all´ die vergangenen Generationen, die die Geschichte unserer alten Heimat geprägt haben. Denn Geschichte ist nichts Anonymes, das irgendwo und irgendwann passiert ist, sondern es ist die Geschichte unserer Groß- und Urgroßeltern und aller Generationen bis zur Einwanderung, die unter Einsatz ihres Lebens diese Schicksalsgemeinschaft aufgebaut und geprägt haben. Ihnen gilt unser Respekt und unsere Hochachtung.

Heimat heißt aber auch Brauchtum und Tradition. Das ist eine große Aufgabe in unserer modernen Zeit.

Sie lebendig zu halten, immer wieder neu zu beleben und zu interpretieren, bedarf großen Engagements. Bei dieser Gelegenheit möchte ich im Namen unseres Jahrgangs ein herzliches Dankeschön an die Heimatortsgemeinschaft, den Chor, die Musikkapelle und an alle, die in irgendeiner Form an der Aufrechterhaltung der Traditionen und Bräuche beitragen, aussprechen. Traditionen und Brauchtum bewahren, ist eine Gratwanderung. Es heißt nicht, sie zu konservieren oder zu restaurieren wie Denkmale oder Museumsstücke, da sie dynamisch und lebendig sind. Traditionen sind im Wandel begriffen, was manchmal aber auch zu Veränderungen führen kann, die schmerzhaft sind.

Umso erfreulicher ist es, wenn junge Menschen, die hier geboren sind und die Sackelhausen nur vom Hörensagen kennen, an ihren Wurzeln interessiert sind und etwas über ihre Geschichte erfahren wollen. Doch oft ist es für sie nur schwer nachvollziehbar, wie man mit nur wenigen Habseligkeiten die Heimat verlassen kann, um sich in eine ungewisse Zukunft aufzumachen. In der Tat haben sie Recht, das alles aufzugeben, was viele Generationen vor uns aufgebaut haben, erscheint auf den ersten Blick unverantwortlich. Doch die eindrücklichen Schilderungen der Groß- und Urgroßeltern von Flucht, Vertreibung, Verfolgung, Not und Repression lassen bei der jungen Generation rasch ein großes Verständnis für diesen Schritt entstehen.

Als wir uns aufmachten, konnte beim Kofferpacken nur ein Teil unseres Herzens mitgenommen werden, die ursprüngliche Verwurzelung mit der alten Heimat blieb. Es waren nur wenige materielle Dinge, die jeder mitnehmen konnte, aber wir hatten dafür viel Mut, Kraft, starke Wurzeln, Ausdauer, Zuversicht und Optimismus im Gepäck, Dinge, die sich als viel wichtiger erwiesen, als alle materiellen Güter. Es waren Eigenschaften, die wir von unseren Ahnen geerbt hatten und die uns bis heute und hoffentlich auch in den nächsten Generationen begleiten.

Und noch jemanden hatten wir in unserem Gepäck. Er hat uns begleitet, leise aber stetig. Es war der liebe Gott, der uns auf all unseren Wegen begleitet hat und uns viel Kraft gab.

Hier, in unserer neuen Heimat angekommen, mussten wir erst mal die Fremdheit aushalten, die, wie die Lyrikerin Hilde Domin in ihrem Gedicht „Ziehende Landschaft“ sagt, uns wie ein „ungemütlicher Wind“ umgab. Doch wir hatten einen Atem, der lang genug war. Das Unvertraute verlor seine Bedrohlichkeit und heute können die meisten wieder sagen, dass wir zu Hause angekommen sind.

Wir haben Brücken geschlagen zwischen dem, was uns urvertraut war und dem, was uns anfänglich fremd war. Wir haben uns diesen Erfahrungen gestellt und haben dennoch unsere Wurzeln und Zugehörigkeit nicht verloren.

Hilde Domin hat das in wunderbare Worte gefasst: „ Man muss weggehen können

und doch sein wie ein Baum

als bliebe die Wurzel im Boden,

als zöge die Landschaft und wir ständen fest.“

Im Angesicht dessen, was in der Welt passiert, empfinden wir es als großes Geschenk, in Frieden und Freiheit leben dürfen. Wir sind allen dankbar, die uns das ermöglicht haben.

„Lassen wir unsere Gegenwart nicht von der Vergangenheit bestimmen, aber lassen wir die Vergangenheit ein guter Ratgeber für die Zukunft sein.“(Unbekannter Verfasser).

Versuchen wir mit unserer Erinnerungsarbeit auch der jungen Generation den Wert der Heimat und damit auch den Wert des Friedens und der Freiheit zu vermitteln.

Heimat hat ganz viel mit dem Gefühl der Verbundenheit zu tun. Wir der Jahrgang 1954 fühlen uns heute besonders tief verbunden mit unseren verstorbenen Klassenkameraden:

•    Friedrich Stîngaciu
•    Johann Al Ene
•    Walter Kühn
•    Monika Vanghele-Schreiber
•    Mathias Katzenmayer
•    Wallner Josef

Der liebe Gott möge sie in Frieden ruhen lassen.

Wir schließen sie heute in unsere Gebete ein.

Gleich werden wir unseren Kranz an dem Gedenkstein niederlegen. Jedes Mal, wenn ich davor stehe, suchen meine Augen den Namen meines Opas. So geht es jedem von uns, der seine Angehörigen verloren hat. Wir verneigen uns vor diesen Menschen und vor allen Opfern von Gewalt, Verschleppung und Ungerechtigkeit in der Welt.

Erinnerung ist immer auch Mahnung. Tun wir alles, dass Frieden wird in der Welt.

Ich danke für die Aufmerksamkeit und wünsche uns ein schönes Kirchweihfest 2014.

Kirchweihfest - Wittumhalle Reutlingen