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250 Jahrfeier Sackelhausen / 1765 – 2015

Ein Wiedersehen mit Sackelhausen!

Obwohl ich in den 90er Jahren bis 2007 oft in Sackelhausen gewesen bin, war es dieses Mal etwas anderes, emotionaler, vielleicht auch unwahrscheinlicher.
1965 die 200 Jahrfeier, eine Feier bei der die ganze Gemeinde mitgefeiert hat von den Kindergarten Kinder bis zu den Erwachsenen.
Und wer dachte damals dass es eine „250 JAHRFEIER“ geben wird, vor allem nach der Revolution im Jahre 1990?!
Und doch, der Gemeinderat der Gemeinde SACALAZ hat beschlossen ein Gedenkstein aufzustellen um der Ansiedlung der Gemeinde Sackelhausen vor 250 Jahren zu gedenken und dies zum Anlass zu nehmen auch die 250 Jahrfeier zu Feiern.
Eine Feier die am 29. Mai 2015 stattfand.
Anlass dieser Feierlichkeiten war auch die Anbringung zweier Gedenktafeln, die an das Schaffen von Egidius Haupt 1861-1930 für die Gemeinde Sackelhausen und von Ernst Kannengießer-Ernö Kallai 1890-1954 / Kunstkritiker erinnern.
Das Programm der Feierlichkeiten kann man aus dem Programmheft entnehmen.
Nach dem Essen, das in einem neuen Restaurant (hinter der Hn.828 Balnek), stattfand, war auf dem Friedhof eine Andacht mit Pfarrer Fischer Ignatz und der Donauschwäbischen Blaskapelle Reutlingen.
Am Abend war eine Tanzveranstaltung im Kulturheim (Camin) es spielte die Blaskapelle aus Reutlingen.
Am 30. und 31. Mai fanden die Heimattage mit Festprogramm, Andacht im Hohen Dom zu Temesvar und Trachtenumzug durch das Zentrum von Temesvar mit Kranzniederlegung vor der Kathedrale am Gedenkstein der Märtyrer der Revolution statt.
Sonntags ab 16.00 Uhr war „Ruga“ in Sackelhausen und anschließend bei der Familie Neu Hn.35 Sektempfang und Gulaschessen für alle Sackelhauser, die bei den Feierlichkeiten dabei waren.
01. Juni: Abschied von Sackelhausen, es geht in die neue Heimat!
Ich glaube es war gut so dass ich dabei war, es war ein Erlebnis das ich mir so nicht vorgestellt habe.

Nikolaus Fuhry

Sacalaz - Sackelhausen – Szakalhaza

Ansprache von Mathias Reitz anlässlich der Enthüllung des Denkmals
„Sackelhausen – 250 Jahre“

Geehrte Gäste aus dem In- und Ausland, Exzellenzen,
wir sind hier, um Geburtstag zu feiern. Sackelhausen, genauer gesagt: die neuzeitliche Gemeinde,  ist 250 Jahre alt. Einige der hier Anwesenden haben die 200-Jahr-Feier vom 10. Oktober 1965 noch in lebhafter Erinnerung. Das ist nun 50 Jahre her. 50 Jahre, in denen sich sehr viel verändert hat; aber wir alle wissen: „Nichts ist beständiger als der Wandel.“(Heraklit)
Ich möchte nun die historische Entwicklung dieser Gemeinde ein wenig umreißen. Die Gründungszeit, die Kriegsjahre, die Jahre dazwischen, die besagten letzten 50 Jahre und nicht zuletzt: die Gegenwart.
Die erste dokumentarische Erwähnung des Dorfes fand im Jahre 1392 statt.
Nach der Vertreibung der Türken aus dem Banat im Jahre 1716 durch Prinz Eugen und dem folgenden Anschluss an Österreich wollte der Wiener Hof aus den dünn besiedelten und verödeten Landschaften einen christlichen Lebensraum gestalten. Somit wurde die Besiedlung dieser Gebiete mit deutschen Siedlern aus katholischen Gebieten des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation begonnen.
Die Siedler mussten das Land zunächst urbar machen, um Ackerbau betreiben zu können.
Nach Sackelhausen kamen die deutschen Siedler mit dem sogenannten 2. Schwabenzug im Jahre 1765, während der Regentschaft von Königin Maria Theresia. Um genug Raum für die deutschen Siedler zu haben, wurden die einheimischen rumänischen Bewohner einem kaiserlichen Erlass zufolge umgesiedelt. Zusammen mit den aus Schöndorf (Frumu?eni) umgesiedelten Rumänen gründeten diese dann den Ort Torac, heute im serbischen Banat gelegen. Wir freuen uns sehr, die heutigen Toraker hier in Sackelhausen, bei ihren Wurzeln, begrüßen zu dürfen.

Die Anfangszeit forderte viele Opfer: hunderte von Siedlern starben an in Epidemien auftretenden Krankheiten;  es kamen neue Siedler nach.

„Den ersten der Tod,

den zweiten die Not,

den dritten das Brot.“

Veränderungen der politischen Großwetterlage bewirkten, dass die Gemeinde Sackelhausen in den ersten 160 Jahren ihres Bestehens abwechselnd sechs Staatsgebilden angehörte:

1765 - 1778 Österreich

1779 - 1848 Ungarn

1849 - 1860 Wojwodschaft Serbien und Temescher Banat, die Kronlandstatus hatte

1861 - 1918 Ungarn

Nov. 1918 – Juli 1919 Serbien

Seit dem 3. August 1919 gehört Sackelhausen schließlich zu Rumänien.
1940 war das Jahr folgenreicher Weichenstellungen. Die Regierung Antonescu erließ ein Gesetz, das alle rumänischen Staatsbürger deutscher Nationalität zu Mitgliedern der Deutschen Volksgruppe erklärte; das wurde im nationalen Kataster der Deutschen in Rumänien festgehalten. Dies sollte nach Kriegsende fatale Auswirkungen haben, denn durch das Bodenreformgesetz vom März 1945 wurden alle Mitglieder der Deutschen Volksgruppe entschädigungslos enteignet. Somit wurden die Fundamente des Bauerntums auch in Sackelhausen zerstört.

Ebenso wurden nach Kriegsende den Deutschen alle Staatsbürgerrechte entzogen. Erst der Erlass von Dezember 1948 dehnte den Nationalitätsstatus der Verfassung auch auf die Deutschen aus, was eine Wiedererlangung der wichtigsten Bürgerrechte bedeutete.

Seit 1974 konnten nur noch Personen mit Wohnsitz in Rumänien auch Eigentümer von Bodenflächen und Gebäuden in Rumänien sein. Das bedeutete, dass Emigranten ihre Gebäude dem Staat übergeben mussten. Sie wurden mit einem Preis abgefunden, der weit unter dem tatsächlichen Marktpreis lag.
Einige Ereignisse, die die Dorfgemeinschaft in ihren Grundfesten erschüttert haben, sollten hier und heute nicht unerwähnt bleiben.

Von 780 Männern, die zum Kriegsdienst im 2. Weltkrieg eingezogen waren, starben 222. 2/3 der Bevölkerung  floh im September 1944 vor der Roten Armee nach Österreich und Deutschland, nur die Hälfte kehrte zurück.
Die aufgrund eines Geheimbefehls Stalins durchgeführte Deportation von 72 Männern sowie von 53 Frauen in die damalige Sowjetunion forderte 23 Todesopfer.
Im Juni 1951 trat der Ministerialbeschluss 326/1951 in Kraft, demzufolge 83 deutsche Familien aus Sackelhausen sowie 39 rumänische und 288 mazedonische (Aromunen) Familien in den Baragan verschleppt wurden. Betroffen waren Bürger, die den Kommunisten nicht konform schienen, das heißt, denen unterstellt wurde, dass sie sich der sozialistischen Umgestaltung der Wirtschaft und der Kollektivierung der Landwirtschaft widersetzen würden. Erst 1955, als Rumänien den Beitritt zur UNO anstrebte, wurden die Deportierten in die Freiheit entlassen.
Durch die Einführung der ungarischen Sprache 1840 als Amtssprache begann die Magyarisierung der Deutschen. Vor allem im Schulwesen und in der Kirche wurde sie kraftvoll vorangetrieben und umgesetzt.
Die Sackelhausener Schule war bis zur Verstaatlichung 1901 eine konfessionelle katholische Trivialschule, ab dann wurde die Unterrichtssprache Ungarisch zur Pflicht.
Nach der Aufteilung des Banats im Jahre 1919  wurde im rumänischen Teil das Schulwesen aufgrund der Perspektiven, die die Karlsburger Proklamation eröffnete, neu  organisiert. Darin wird die „nationale Freiheit für alle mitwohnenden  Völker“ gewährleistet. Und darin steht: „… jedes Volk soll in seiner eigenen Sprache richten und unterrichten, die gesamte Administration soll in der jeweiligen Sprache – durch Angehörige des jeweiligen Volkes – erfolgen dürfen …“. Das heißt: In Sackelhausen durfte wieder in deutscher Sprache unterrichtet werden.
Nach dem Bildungsreformgesetz vom 03. August 1948 wurde in Sackelhausen die Deutsche Elementarschule gegründet. Sie wurde aber 1950 durch den Zusammenschluss mit der rumänischen Schule  zu einer  Allgemeinen Schule mit deutscher Abteilung.
Ab dem Schuljahr 1988/1989 fand in Sackelhausen infolge Schülermangels  kein Unterricht mehr in deutscher Sprache statt.

Erwähnen möchte ich auch das Vereinsleben in der Gemeinde, das vor allem zwischen den Weltkriegen gut entwickelt war. Es gab mehrere Vereine, z.B. den 1920 gegründeten Jugendverein sowie  den Bauernverein, den Gesangsverein und andere, die jedoch alle nach Kriegsende aufgelöst wurden. Wir hatten in der Nachkriegszeit stets eine gute Handballmannschaft; zwei Spieler schafften es sogar in die rumänische Nationalmannschaft.

Die Sackelhausener Geschichte wurde von folgenden Personen aufgearbeitet:

1. Egidius Haupt:
Geschichte der Gemeinde Sackelhausen 1765 – 1925

2. Dr. Reinhold Fett:
Sackelhausen – Heimatbuch

3. Dr. Josef Pitzer:
Sackelhausen Anfang und Ende

4. Michael Koppi, Peter Welker:
Der Friedhof in Sackelhausen / Banat

5. Mathias Reitz:
Beiträge zur Geschichte einer deutschen Gemeinde im Banat

6. Peter Hummel, Nikolaus Fuhry:
Familienbuch Sackelhausen im Banat

7. G. Blejusca, St. Tomoioaga:
Timp si istorie


Im Laufe des 20. Jahrhunderts hat Sackelhausen viele prominente Persönlichkeiten hervorgebracht: Theologen und Juristen, Journalisten und Schriftsteller, Ingenieure und angesehene Künstler sowie markante Lehrerpersönlichkeiten.
Einige davon seien hier erwähnt:

Augustin Weber (1833 – 1909) Priester, Ehrendomherr, Hofkaplan am kaiserlichen Hof von Mexiko unter Kaiser Maximilian von Habsburg;

Ernst Kannengießer (Kállai) (1890 – 1954) Kunsttheoretiker und Bauhaus-Schriftleiter

Michael Willjung (1901-1973) Priester, Bischöflicher Sekretär

Johann Jung (1902 – 1945) Notar, Parlamentarier (1938 – 1940), Vizebürgermeister von Temesvar(1940-1042)

Nikolaus Eugen Haupt (1903 –1993) Reporter und Kinderbuchautor

Mathias Jung (1906 – 1982) Chefingenieur bei Gazmetan Mediasch

Johann May (1895-1961) Tierarzt

Johann Walter (1915 – 1991) Musikprofessor und Dirigent

Heinrich Lauer (1934-2010) Journalist und Schriftsteller

In allen Zeiten hatte die Landwirtschaft eine prägende Rolle für die Gemeinde. In den ersten Jahrzehnten wurde sie nur zum Eigenbedarf betrieben. In dem Maße, in dem die Stadt Temesvar wuchs und mit ihr der Bedarf an Lebensmitteln, konnten die Sackelhausener durch den Verkauf ihrer landwirtschaftlichen Produkte ihr Einkommen wesentlich verbessern.

Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Gemeinde im Besitz der modernsten Molkerei des Banats und konnte damals schon Milchprodukte exportieren.

Wir hatten die Mühle, viele gute Handwerksbetriebe, Metzgereien und Krämerläden, zu deren Kunden auch Bauern aus den Nachbargemeinden zählten.

Nach Kriegsende blieben zunächst noch viele Bewohner in der Landwirtschaft tätig. Sie arbeiteten in der Staatsfarm oder in der 1956 gegründeten Kollektivwirtschaft.
Seit 1947 begannen die jungen Leute, sich in der Stadt Arbeitsplätze oder Lehrstellen zu suchen. Viele von den älteren zog es ebenfalls in die Stadt, sie wurden angelernte Facharbeiter oder Hilfsarbeiter.

Viele Frauen beschäftigten sich mit dem Fratscheln. Sie verkauften Produkte aus eigener Produktion (Gemüse, Obst, Milch). Andere sicherten sich ihr Einkommen durch die Anfertigung und den Verkauf von Taschen aus Maislieschen (Zeckre mache).

Schon Ende des 19. Jahrhunderts wanderten Familien aus Sackelhausen aus: Bei der Gründung von Giseladorf sind 1881 sieben Familien dorthin gezogen und 1890 ließen sich fünf Familien im neuen Dorf Rudischka nieder.
Zwischen 1898 und 1930 wanderten hunderte Sackelhausener nach Amerika aus.

Durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges und seine Folgen wurde der Grundstein für den endgültigen Exodus der Banater Schwaben und letztendlich für die Auflösung der deutschen Dorfgemeinschaft gelegt.
Die Ereignisse während der Nachkriegszeit gingen nicht vorüber, ohne innere Narben im Bewusstsein der Deutschen zu hinterlassen. Man sah das Werk seiner Ahnen in Trümmern. Auf diesem Nährboden begann der Wille nach neuer Identität und neuem Anfang zu wachsen, der letztendlich in dem Entschluss zur Auswanderung Gestalt annahm.

Im Jahr 1940 hatte Sackelhausen etwa 4000 deutsche Einwohner, 1946 waren es nur noch 2700.
Im Rahmen der Familienzusammenführung konnten bis 1975   270 Personen auswandern.
Nach der OSZE-Folgekonferenz im Jahre 1977 in Belgrad schob Jugoslawien die illegalen Grenzgänger nicht mehr in ihr Herkunftsland ab. Infolgedessen überschritten dann von 1978 bis 1989 36 Sackelhausener illegal die Staatsgrenze und konnten auf diese Weise nach Deutschland auswandern. 25 Personen mit Touristenpass kehrten nicht mehr zurück.
Den deutschen Bundeskanzlern Helmut Schmidt und Helmut Kohl war es nach zähen Verhandlungen mit dem rumänischen Präsidenten Nicolae Ceausescu gelungen, gegen Zahlung harter Devisen mehrere Zehntausend  Ausreisegenehmigungen zu erwirken. Viele Ausreisewillige mussten den rumänischen Vermittlern zusätzlich noch Bestechungsgelder in Form von Devisen bezahlen.
Auf diese Weise konnten im Zeitraum von 1978 bis 1989   1957 Sackelhausener auswandern.
Nach der Wende 1989 konnte man als Bürger deutscher Nationalität schließlich frei auswandern, was bis auf 14 Personen auch alle taten.
Ja, meine Damen und Herren, das Schicksal war unserer Gemeinde nicht immer hold. Zweimal verließen  die  Bewohner  Sackelhausens ihre angestammte Heimat und hatten einen Neubeginn an einem anderen Ort, in einem anderen Land zu meistern: zuerst eure Vorfahren, liebe Toraker, und mehr als  zwei Jahrhunderte später wir, die Deutschen.

Nach der Emigration der Deutschen kamen auf Werben der Regierung immer mehr Rumänen nach Sackelhausen und bezogen die leerstehenden Häuser.  Heute leben Menschen in der Gemeinde,  die aus Hunderten von  Ortschaften aus ganz Rumänien gekommen sind.
Das Dorf ist nun für sie  zum Zuhause geworden.
Es ist sehr schön zu sehen, dass mit unserem Weggang Sackelhausen nicht gestorben ist. Kinder spielen auf den Straßen, besuchen den Kindergarten und die Schule, Menschen warten am Bahnhof auf den Zug und an den Bushaltestellen auf den Bus, um zur Arbeit zu gelangen, um zum Einkaufen zu fahren, um unterwegs zu sein. Hier findet Leben statt.

Seit dem Ende der Diktatur 1989 hat sich die Gemeinde enorm entwickelt. Insbesondere unter den Mandaten der Bürgermeister Vasile Cîmpeanu und Ilie Todasca konnten sehr wichtige Meilensteine gesetzt werden. Man denke zum Beispiel an die Wasserversorgung, den Anschluss an die Temesvarer Gasleitung, die Erschließung von zwei Industriegebieten, mehrere Ortserweiterungen mit vielen Neubauten, den Bau einer modernen Sporthalle, den Ausbau und die Modernisierung der Schule, die Asphaltierung aller Straßen im Ort, die Eröffnung der BRD Bank (Rumänische Entwicklungsbank), den Anschluss der Kanalisation an das Temesvarer System.

Sackelhausen pflegt lebendige Gemeindepartnerschaften mit Wolfsberg in Österreich und Torac in Serbien. Dabei hat sie aber auch die ehemaligen Sackelhausener nicht vergessen und ihre Verdienste in der Arbeit für die Gemeinschaft.

Das heutige Fest bringt diese Verbundenheit besonders deutlich zum Ausdruck. Wir danken euch für die Errichtung des Denkmals, das wir heute anlässlich der 250-Jahrfeier gemeinsam enthüllen!  Unsere und eure Teilnahme an dieser Feier wird uns allen als ein  Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung stets in Erinnerung bleiben.

Vielen Dank für den herzlichen Empfang und die großzügige Gastfreundschaft der Sackelhausener Bürger!
Allen Teilnehmern am heutigen Fest und ihren Familien wünsche ich für die Zukunft viel Glück, Gesundheit und Wohlergehen!

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Friedhof Sackelhausen

Toten Gedenken auf dem Friedhof in Sackelhausen
Michael Koppi

Selig ruhn unsere Ahnen,
hier im geweihten Friedensgrund.
Gräber, Kreuze uns ermahnen.
Gedanken sind ein fester Bund.

Liebe Eltern und auch Ahnen,
Lob und Dank für eure Plage
wollen wir euch immer sagen,
nicht nur heute, alle Tage.

Seid von uns schon lang gegangen,
in aller Welt ist euer Ruh’n.
Zum Ende auch wir gelangen,
nach eurem Sinn ist unser Tun.

Helle Kerzen für euch leuchten.
Tränen in den Aug’n, den feuchten,
das Gedenken schwerer Stunden
erinnert uns an viele Wunden!

All die Lieben, die in Kriegen,
in Russland, Baragan blieben
auch oh’n  Kreuz und Stein sie liegen
Gott allein gibt uns den Frieden.

(vorgetragen von Michael Koppi am 29. Mai 2015)

Foaia Sacalazului – Sackelhausener Blatt
Anul XIX. Nr. 134 mai 2015  Director onorific: Ilie Todasca
Erinnerung an die Sackelhausener Schwaben

(Übersetzung von Michael Koppi aus „Foaia Sacalazului“)

Mit der Beendigung (als Siedler) der „Mission“ der deutschen Bewohner und ihrer über 200 jährigen Anwesenheit in unserem Ort erheben die Glocken aus der römisch-katholischen Kirche nur noch selten ihre Stimmen, das Orgelspiel ist verstummt, jedoch der Adler auf dem Gedenkstein für die Gefallenen des I. Weltkrieges vor der Kirche schaut gespannt in die Weite mit seinen scharfen Augen, als würde er den Weggezogenen zurufen: “Kommt des Sonntags zu den Gottesdiensten in eure alte Kirche!“ Diesen Erinnerungssatz schrieb ich vor sechs Jahren in der Monografie „Zeit und Geschichte“ und hatte den nostalgischen Wunsch mit einem Bedauern über „das Verschwinden“ dieses Teiles der Bewohner (der Schwaben) aus dem Sackelhausener Ortsbild geäußert. Durch den Wegzug der Schwaben hat die Ortschaft viel Anmut der früheren Tage verloren.
Das Umfeld war geprägt von Obstgärten voller unterschiedlicher Bäume, auch Weingärten gab es. Wie Leinwandfäden auf den Äckern durchzogen die fleißigen Arbeitsgruppen (mit ihren Hacken) die Mais-, die Zuckerrüben- und die Sonnenblumenfelder. Auch große Flächen mit verschiedenen Gemüsesorten wurden bewirtschaftet, auf welchen vor allem die Frauen mit großer Sachkenntnis wirkten. Die Ernten dieser Gemüsekulturen nahmen den Weg auf die unterschiedlichsten Märkte Temeswars. Aber auch auf den Dorfstraßen wurde fleißig gehandelt und eingekauft. Bauernwagen voll mit Wasser- und Zuckermelonen, mit Paprika, mit Tomaten und Gurken zum Verkauf von frisch geernteter Ware, reinstes Biogemüse und dazu noch sehr preiswert durchzogen die Ortsstraßen. Wir, welche in Sackelhausen in dieser Zeit geboren wurden, aber auch jene Kinder, „den Adoptierten“ dieser Ortschaft, sind noch immer fasziniert von den Erinnerungen und den Leistungen der Schwaben aus dieser Zeit, welche damals eine deutsche Mehrheitsbevölkerung im Ort hatte. Sackelhausen von vor 40 bis 50 Jahren war umgeben von sauberen Teichen (Kaulen genannt), in welchen wir Kinder badeten, wie im Beregsau Bach, an dem Platz, genannt „das Russenloch“(la gropan). In der Dorfnähe befanden sich kleine Akazien- und Eichenwäldchen, in deren Schatten sich die im Feld unter der großen Sommerhitze Abmühenden ausruhten, auch Tierherden suchten den Schatten der Bäume auf. Kam man in das Dorf, breitete sich ein Bild der Ordnung und der Sauberkeit vor uns aus, ausgeputzte Schanzen, gereinigte Brücken und saubere Hofeinfahrten. Gefegt waren die Gehwege und von Akazienbäumchen umsäumt. Die Häuser waren instand gehalten, manchesmal wurden sie bis zu zweimal im Jahr geweißelt. Alles zeigte uns das, wie wirtschaftlich die Sackelhausener Schwaben waren, welche mit Ausdauer (großer Hingabe) und Selbstverneinung arbeiteten, sie waren wie angebunden an Sauberkeit und Ordnung in Hof, Garten und Heim. Von dieser Ausdauer und der Beschäftigung mit der Ordnung und Sauberkeit blieb uns der Spruch. „Wie in der Speis (der Speisekammer) der Deutschen“. Zu bemerken ist: das alles geschah bezüglich Sauberkeit in den Häusern und in den Straßen ohne eine Anordnung aus dem Rathaus, sondern von ihrer hohen bürgerlichen Einstellung. Bedenkt nur, welche Kränkung und Schande es gewesen wäre, wenn jemand von der Verwaltung (dem Rathaus) gekommen wäre, um ihnen zu sagen, sie mögen für Sauberkeit sorgen, sie mögen ihre Bäume weißeln oder sie mögen ihre Gärten von Unrat reinigen. Diese Ordnung war auch auf dem Friedhof. Täglich waren Frauen auf dem Friedhof unterwegs, um die Gräber und Zugangswege zu pflegen. Dies zeigt uns den Respekt, welchen die Lebenden vor den Dahingegangenen hatten. Auch die Kirche war nicht vernachlässigt (die Glaubensausübung), selten kam es vor, dass an Sonntagen aus einem Haus nicht ein Kirchenbesucher unterwegs war. Sonntags nach der Messe war das Zentrum in Sackelhausen voll von Menschen. Man sah neben den Eltern in dunkler Tracht, Kinder und Enkel zum Kirchgang festlich gekleidet (auch mit Krawatte). Deshalb halten sie (die Schwaben) fest an der Überzeugung, die Kirche, die Schule und nicht zuletzt auch die Familie würden den Charakter der Menschen bilden.
Das gewachsene Kulturgut aus der damals gelebten Lebenseinstellung wird uns sichtbar am 29. und 31. Mai als Zuschauer dargestellt, wenn die Schwaben (Kinder und Jugend aus diesen Zeiten) zur Feier von 250 Jahren zurückkommen als ihre Vorfahren hier zum ersten Mal den Boden betraten, in welcher Zeitspanne diese Vorfahren ihre ewige Ruhe auf dem Friedhof von Sackelhausen fanden.
Es wird auch dieses Ereignis an uns vorbeiziehen, bei welchem die Nachkommen der Sackelhausener Schwaben im Takt der Blasmusik Sackelhausen mit Tränen und Bedauern das Dorf ihrer Kindheit verlassen werden, nicht wissend, ob sie je zurückkommen werden und den Adler allein auf dem Monument vor der Kirche im Kampf mit Wind und Regen zurücklassen, aber weiterhin verfolgt des Adlers scharfer Blick (ebenfalls nach Westen gerichtet), die nach Westen weggezogenen Schwaben.

Ghita Blejusca

Heimattage mit Festprogramm in Temesvar