Wappen

E I N L A D U N G


Liebe Sackelhausener,
liebe Freunde der Heimatortsgemeinschaft Sackelhausen!

Am 24. September 2016 feiert die Heimatortsgemeinschaft  Sackelhausen  ihr
60. Kirchweihfest mit Heimattag in Reutlingen.
Zu diesem Jubiläum lädt der Vorstand der HOG Sie alle recht herzlich ein!

Es würde uns freuen, wenn zu diesem Jubiläum viele die schöne Sacklaser Tracht anlegen würden.

Wer in Tracht teilnehmen will, sollte sich bis zum 15. August melden bei:
Hedi Pless (07121/550339), Anni Uitz (07121/320270), Erich Buchmann (07121/579312)

Außerdem ist eine Ausstellung geplant mit Gruppenfotos von den Kirchweihfesten in Deutschland  und den Kirchweihsprüchen.
Wer noch Gruppenfotos von den Kirchweihfesten in Deutschland ab 1956 und Kirchweihsprüche hat,
sollte Hans Pless anrufen (07121/550339).

Wir hoffen, dass viele mitmachen, damit dieses Kirchweihfest unvergesslich wird!

60. SACKELHAUSENER KIRCHWEIHFEST MIT HEIMATTAG IN REUTLINGEN

14.00 Uhr
- Gedenkgottesdienst in der Aussegnungshalle auf dem Friedhof Römerschanze mit Pfarrer Peter Zillich, musikalisch umrahmt von dem Banater Chor Reutlingen und der Original Donauschwäbischen Blaskapelle Reutlingen unter der Gesamtleitung von Johann Frühwald

- Lesung:
Theresia Mertel, geb. Schwarz, Jahrgang 1956

 - Fürbitten: Jahrgang 1956:
Hedwig Reiter, geb. Potye
Hedwig Bild, geb. Czernay
Johann Molitor

- Segnung des Kirchweihstraußes

- Begrüßung der Anwesenden durch den Vorsitzenden der HOG, Nikolaus Fuhy / Ankündigung der Ansprachen:
Ewald Stock, Festredner des Geburtsjahrganges 1956
Peter Dietmar Leber, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben
Totengedenken am Sackelhausener Gedenkstein

- Kranzniederlegung durch den Jahrgang 1956

 

 

Ansprache Ewald Stock Jahrgang 1956

Liebe Freunde und Kollegen, liebe Landsleute, liebe Gäste, oder kurz und gut, um niemanden zu vergessen: meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kinder.

Wie es seit vielen Jahren Brauch ist, haben wir uns heute wieder sehr zahlreich hier versammelt um das Sackelhausener Kirchweihfest zu feiern. Traditionsgemäß wird jedes Jahr ein anderer Jahrgang dazu auserwählt als Ausrichter dieses Festes zu gelten, was hauptsächlich darin besteht, eine kurze Rede an die hier Anwesenden zu richten und anschließend einen Kranz am Ehrendenkmal niederzulegen, ehe es zum festlichen Teil übergeht, wo hoffentlich  viel geredet, getanzt und gefeiert wird.

Dieses Jahr ist dem Jahrgang 1956 diese Ehre zuteil geworden und ich wurde gebeten, stellvertretend für den ganzen Jahrgang hier ein paar Worte an Sie zu richten. Als ich gefragt wurde, ob ich diese Rede halten möchte habe ich spontan zugesagt, weil ich mich geehrt fühlte, im Namen des ganzen Jahrgangs sprechen zu dürfen. Als ich jedoch Revue passieren liess, was in den letzten Jahren alles ausführlich an dieser Stelle geschildert und beschrieben worden ist, kamen mir Zweifel, ob ich überhaupt noch Worte finden werde, ohne Gefahr zu laufen, bereits mehrfach Gesagtes zu wiederholen. Ich werde es trotzdem versuchen.

Wie ich sehe, sind viele von unserem Jahrgang hier erschienen, glücklicherweise sogar mehrere als in unseren bisherigen Klassentreffen. Einige konnten aus verschiedenen Gründen nicht kommen und, leider Gottes, sind zwei von uns, nämlich Johann Wilhelm und Johann Wolf, bereits verstorben.

Sowohl ihnen, als auch allen anderen Sackelhausener Verstorbenen wollen wir nachher bei der Kranzniederlegung ganz besonders gedenken. Aus christlicher Sicht gesehen sind unsere Verstorbenen ja Heimkehrer, denn da gilt ja der Himmel, oder wie manche es nennen, das Jenseits als unsere Heimat und wir sind auf der Erde nur „zu Gast“. Natürlich gibt es für den Begriff „Heimat“ mehrere Definitionen. Wissenschaftlich wird die Heimat als eine Beziehung zwischen Mensch und Raum gesehen. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird sie auf den Ort angewendet, in den ein Mensch hineingeboren wird und in dem seine frühesten sozialen Erlebnisse stattfinden, die seine Identität, Charakter, Mentalität, Einstellungen und Weltanschauung prägen. Die jüngste Definition davon jedoch lautet: „Heimat ist da wo ich lebe und wo ich mich wohl fühle.“

Ich für meinen Teil behaupte, meine „alte Heimat“ ist Sacklas, da wo ich geboren und 25 Jahre lang aufgewachsen bin und meine „neue Heimat“ ist da wo ich jetzt glücklich mit meiner Familie lebe. Ich gehöre zu einem nicht sehr großen Kreis unseres Jahrgangs, der nicht  in, oder im nahen Umkreis von Reutlingen lebt, was jedoch meinen Bezug zu meinen früheren Kollegen und Freunden aus der Sacklaser Kindergarten- und Schulzeit keineswegs schmälert.

Ich will hier nicht näher auf die Geschichte der Gemeinde Sackelhausen eingehen, denn darüber ist schon bei früheren Gelegenheiten ausführlich genug geredet und geschrieben worden. Und gerade über jene Zeit während und nach den beiden Weltkriegen könnten heute noch manche Leute so manchen Bestseller verfassen.

Was für mich unvergessen bleibt, sind die schönen und unbeschwerten Jahre unserer Kindheit und Jugend in Sacklas. Ich wage zu behaupten, dass dies so ziemlich die beste Zeit war, die es in Sacklas gab: Die Schmerzen, die der Krieg und die Deportation mit sich gebracht hatten waren weitgehend abgeklungen, die Zeiten der Entbehrungen, bedingt durch die Sparpolitik des Ceausescu-Regimes hatten noch nicht begonnen und der Boom der Ausreise hatte noch nicht so ganz eingesetzt.

Wie scheen wors, wann mr in de Ferien morjets ausm Haus gang es un erscht oweds wieder hem komm es. Do is Versteckelches, Stuppschol, Fussball, Völkerball un alles Megliche gschpillt gen, im Sommer sin mr in die Kaul bade gang, im Winter Schlittschuh fahre un oweds is noch in dr Schanz gsitzt un verzählt gen. Wie gut hat do in dr Nochbrschaft es Leckwarbrot oder  Fettbrot mit Rettich, Pardeis oder Zwiwle gschmeckt! Un unser Eltre un Großeltre han sich ke Sorche mache misse, wo mir uns rumtreiwe odr dass uns was passiere kennt.

Tja, seither sind auch schon wieder fast 50 Jahre vergangen, diese Zeiten gehören also inzwischen der Vergangenheit an, an die wir uns aber immer wieder gerne erinnern und die bei unseren regelmäßigen Klassentreffen immer noch für regen Gesprächsstoff sorgen.

Was uns Sacklaser seit jeher auszeichnet und schon immer den Zusammenhalt in der Gemeinde gefördert hat, ist unsere Verbundenheit mit der Kirche. Unsere Kirche stand schon immer, nicht nur geografisch gesehen, im Mittelpunkt des Dorfes. Und das nicht nur wenn es um das Kirchweihfest ging, sondern das ganze Jahr über. Einen großen Anteil daran hatte wohl der selige Herr Pfarrer Josef Hampel, an den ich bei dieser Gelegenheit auch wieder gerne erinnern will.

Lassen wir aber die Vergangenheit in unseren Erinnerungen weiter leben und kehren in die Gegenwart zurück. Zur Zeit gibt es in Sacklas nur noch stumme Zeugen, die an diese Vergangenheit erinnern: die Kirche, die alten Gräber und die Häuser, in denen wir mal gelebt haben. Wie heißt es so schön am Ende des Liedes „Nach meiner Heimat zieht´s mich wieder“? „Jetzt schauen fremde Menschen aus den Fenstern, es war einmal mein Elternhaus.“

Als Fazit, ich glaube das muss an dieser Stelle auch mal gesagt werden, würde ich es wagen folgendes zu behaupten: Vor 250 Jahren haben unsere Ahnen, zusammengewürfelt aus diversen Teilen Europas, in Sackelhausen begonnen etwas zu gründen und etwa 8 Generationen lang auszubauen, was sich noch heute sehen lassen kann und auf das wir noch heute stolz sein können. Es ist einerseits schade, dass wir alle dazu beigetragen haben, das alles innerhalb relativ kurzer Zeit wieder aufzugeben und zu beenden. Die meisten haben das Wichtigste, das sie in ihre Koffer und Kisten packen konnten mitgenommen und den Rest, sprich die Häuser, den Garten und alles was sie so mühevoll aufgebaut hatten zurückgelassen oder billig verscherbelt. Es gab aber auch etliche „Mutige“ oder „Übermütige“, oder wie man sie auch immer bezeichnen möchte, die nicht das Glück hatten den Pass zur Ausreise zu bekommen, oder die eben nicht die Geduld hatten darauf zu warten. Diese haben sich bei Nacht und Nebel, nur mit dem was sie auf dem Leib trugen, illegal auf den Weg in die Freiheit gemacht. Die meisten davon, zu denen auch ich gehöre, sind gut durchgekommen. Einige wurden aber erwischt, gefangen genommen und wieder zurück gebracht, manche haben den Versuch sogar mit ihrem Leben dafür bezahlen müssen, wie zum Beispiel unser Kollege Johann Wolf.

Andererseits jedoch können wir guten Gewissens behaupten, dass wir eben die Gene unserer Ahnen in uns tragen und genau so wie sie vor 250 Jahren alles hinter uns gelassen haben um anderswo, nämlich hier in Deutschland, eine neue Heimat zu suchen, in der uns und unseren Familien eine bessere Zukunft bevorsteht. Wie lange das hier Bestand haben wird, das wird die Zukunft zeigen. Ich will mich jedoch nicht so weit aus dem Fenster lehnen und über irgendwelche Prognosen spekulieren.

Wir sind aber heute hier zusammengekommen, um nach der anschließenden Kranzniederlegung das Kirchweihfest zu feiern, das heute auch unter einem ganz besonderen Stern steht. Es gilt nämlich ein Jubiläum zu feiern, zu dessen Ehre heute viele Paare ihre altbekannten Trachten wieder angezogen haben. Die Heimatsortgemeinschaft  Sackelhausen feiert heute nämlich ihr 60. Kirchweihfest in Reutlingen. Herzliche Glückwünsche dazu und dass es noch viele Jahre so weiter geht! Nun möchte ich noch euch allen hiermit im Namen unserem ganzen Jahrgangs viel Spaß und gute Unterhaltung wünschen und zum Ende meiner Ansprache kommen.

Nur eines möchte ich euch noch mit auf den Weg geben. Ich habe nämlich vor nicht allzu langer Zeit ein Gedicht gelesen, das mich ziemlich berührt hat und von dem ich denke, dass es nicht jeder hier kennt, weil es von dem nicht sehr bekannten Heimatdichter  Horst Geier stammt. Das möchte ich euch noch gerne als Abschluss meiner Rede vortragen.

Nachdenklich…

Von Horst Geier

Ob der Akazienbaum noch steht?
Die alte Frau von nebenan noch immer zu dem Brunnen geht?
Bellen abends noch die Hunde?

Macht der Nachtwächter noch immer seine Runde?
Geht man des Sonntags noch zum Kirchlein?

Und gönnt sich danach in froher Runde ein Gläschen Wein?
Schlägt noch die Kirchenuhr zu jeder Stund´?

Und gibt der Trommler noch immer seine Kund?

Gab´s letztes Jahr ´ne gute Ernte?
Wer feiert als nächstes seine Rente?
Gab´s wie jedes Jahr ´ne Kirchweih?

Und wie viele Paare waren dabei?

An so manchen Tagen,
Stell ich mir all diese Fragen.
Ich denk noch oft an jene Zeit zurück,

wo ich verbracht´ein Stückchen Lebensglück.

Heute ist mir klar,
dass man auch mit „wenig“ glücklich war.
Doch obwohl der Mensch zufrieden ist,

die Freiheit er dennoch vermisst.

So gab man auf alles was „wenig“ war,
der Freiheit wegen, ist doch klar.
Man ließ zurück Garten, Hof und Haus

Und kaufte sich in die Freiheit raus.

Im fremden Lande, die ersten Stunden,
denkt man sich: „Du hast´s gefunden:
die Freiheit und das Glück!“

und man will nie wieder mehr zurück.

Doch die Kirche mit dem Turm,
den Regenbogen nach dem Sturm,
die Schneeglöckchen im Februar,

das alles vermiss ich jedes Jahr.

Und dann denk ich an die Toten,'
an all´ die Menschen, die es heute nicht mehr gibt.
An jene Alten, die dir einst so viel verboten

Und trotzdem du sie hast geliebt.

Sie waren auch ein Stückchen Leben,
ein Stückchen Glück, das du mit ihnen hast verbracht.
Sie haben so viel dir einst gegeben,

doch nun liegen sie, irgendwo, in einem Grab.

Tja, so ist nun mal der Wandel der Zeit,
Vergangenheit ist oftmals auch Vergessenheit.
Zukunft ist was Schönes,

Vergangenheit jedoch was Edles!
Wohl dem, der nie vergisst,

wo er mal war und wo er heute ist.

Dankeschön.

 

Ansprache Peter Dietmar Leber, Bundesvorsitzender

Sehr geehrter Herr Vorsitzender Fuhry und Mitglieder des Vorstandes der Heimatortsgemeinschaft Sackelhausen, hochwürdiger Pfarrer Peter Zillich,

sehr geehrte Frau Neu und Kollegen im Kreisvorstand Reutlingen, den Vorständen unserer landsmannschaftlicher Gliederungen, liebe Gäste und Landsleute,

 

herzlichen Dank für die Einladung zu ihrem 60. Kirchweihfest, welches sie heute Abend hier in Reutlingen feierlich begehen werden. Es ist damit mit Sicherheit eine der ältesten Traditionen innerhalb unseres Verbandes, der ja nur wenige Jahre älter ist, nämlich 66 Jahre alt. Es gibt nur eine HOG, die ebenfalls die 60 geschafft hat, die HOG Uiwar. Sie feiert jetzt aber nicht mehr das Kirchweihfest, insofern haben sie die große Chance in wenigen Jahren an der Spitze dieser Tradition in Deutschland zu stehen. Glückwunsch zu diesem Jubiläum, Glückwunsch zu diesem beständigen Wirken seitens des Bundesvorstandes der Landsmannschaft der Banater Schwaben!

 

Lassen sie mich einen Blick zurück werfen: Über die Beziehungen der Banat-Auswanderer im 18. Jahrhundert zu ihren in Deutschland verbliebenen Angehörigen, ehemaligen Nachbarn, Amtspersonen ist lange nichts bekannt gewesen. Waren sie mit der Auswanderung gleich abgebrochen, wurden sie fortgeführt, beschränkten sie sich auf Kontakte, die für diverse Amtshandlungen – wie Erbschaftsfälle – notwendig waren? Man konnte nur spekulieren.

Erst in den letzten Jahren konnte die Wissenschaftlerin Marionela Wolf durch die Veröffentlichung aufgefundener Briefe von Auswanderern an ihre an Rhein, Mosel und Saar verbliebenen Angehörigen etwas Licht in dieses Dunkel bringen. Im Brief des Auswanderers Philipp Maurath vom 8. Januar 1800 an seinen Bruder in Unzhurst im Landkreis Rastatt heißt es:

 

Berichte auch, dass der Hirnascher Knab bey uns auf der Kirbey geweßen ist. Es seint überall in allen Orten um unß rum Landsleit genug.

 

Zwei Dinge erscheinen mir hier in diesen beiden Sätzen wichtig und prägend für die Identitäts- und Gruppenbildung der Schwaben im Banat: Unsere Landsleute haben auch schon im 18. Jahrhundert im Banat Kirchweih gefeiert. Sie haben sich an diesem Fest gegenseitig besucht, und es wird hervorgehoben, dass in allen Orten um diese Ansiedlung im Banat genug Landsleute lebten. Das schien dem Schreiber wichtig zu sein.

 

Wenn wir uns heute die Briefe aus den 1980er Jahren von ausgewanderten Sackelhausenern an die damals noch in der Heimat verbliebenen Landsleute ansehen würden, so könnten wir wohl vergleichbare Informationen vorfinden: Wir feiern auch in Deutschland unser Kirchweihfest und freuen uns, wenn wir unsere Landsleute treffen.

 

Was ist nicht alles passiert in diesen 200 Jahren seit dem Brief des Philipp Mauruth, aber die wesentlichen für den einzelnen und für die Gemeinschaft wichtigen Bindungen und Verhaltensweisen sie haben, allen Unkenrufen zum Trotz, nach wie vor Bestand.

 

Ich freue mich, dass die HOG Sackelhausen in der Landsmannschaft der Banater Schwaben das Gemeinschaftsleben pflegt und fortentwickelt. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es, hatte Erich Kästner gesagt. Auf unsere Verhältnisse übertragen, könnte man sagen: Es gibt keine Heimatortsgemeinschaft, außer man tut etwas dafür.

In der HOG Sackelhausen tun viele etwas dafür, aber Sackelhausener bringen sich auch in den diversen Gliederungen der Landsmannschaft, in den Kreisverbänden, in der Jugendorganisation DBJT, im Freundeskreis Donauschwäbische Blasmusik ein, sie schreiben ihre und unsere Geschichte fort und deshalb bin ich zuversichtlich, dass auch in den nächsten Jahrzehnten keine Briefe, dafür aber SMS, WhatsApp-Nachrichten und facebook-Einträge - von diesem Treffen und den Landsleuten hier kund tun werden.

 

Meine Damen und Herren, Geschichte endet nie, die Zukunft ist offen. Das lehrt uns die Gegenwart.

 

Wir allein entscheiden heute durch unser Tun oder Unterlassen, was wir von dem erhalten und fortführen wollen, was uns wichtig war, was uns geprägt und unverwechselbar gemacht hat, im Banat aber auch hier in Deutschland. Hüten wir es, halten wir es lebendig - auch das Kirchweihfest gehört dazu. Wir sind Hüter eines drei hundert Jahre alten Schatzes an Überlieferungen und Traditionen, bereiten wir ihn immer auf, halten wir ihn interessant, bieten wir ihn an und denken wir an die Enkelgeneration, die oft mehr Interesse für das Erbe der Großeltern hat als Kinder für die Wünsche der Eltern.

Wie hieß es früher im Banat so schön: Vun de Kerweih gefft so lang geredt, bis se do is. Bald ist es soweit.

Ich wünsche Ihnen allen ein frohes Kirchweihfest!

17.00 Uhr
- Saalöffnung - Wittumhalle in Reutlingen-Rommelsbach

Fotoausstellung:
"SACKELHAUSENER KIRCHWEIH IM LAUFE DER ZEIT"

18.00 Uhr
- Fototermin
Umzug der Trachtenträger um die Wittumhalle

19.00 Uhr
- Einmarsch der Trachtenträger
Begrüßung durch den Vorsitzenden Nikolaus Fuhry

Begrüßung durch den HOG-Vorsitzenden Nikolaus Fuhry

Liebe Kerweihpaare, liebe Sacklaser Landsleit, meine Damen und Herren,

wir feiern heute die 60. Kirchweih der HOG Sackelhausen in Deutschland.

Die erste Kirchweih fand 1956 in der Bahnhofsgaststätte in Kirchentellinsfurt statt - es war ein Treffen zum Erzählen und zum Tanzen, wahrscheinlich war auch etwas Wehmut und Heimweh dabei.

Zu dieser Zeit lebten noch etwa 2.300 von insgesamt 4.000 Deutschen vor 1945 in Sackelhausen und beim 1. Treffen konnte sich wahrscheinlich niemand vorstellen, dass auch irgendwann die 60. Kirchweih in Reutlingen stattfinden wird.

Ja, es war ein langer Weg von der Gaststätte in Kirchentellinsfurt über Wannweil, Betzingen, Eningen u.A., der Listhalle in Reutlingen und seit zehn Jahren in der Wittumhalle in Rommelsbach.

Bei all diesen Festen kamen die meisten Gäste im Jahre 1991 in die Listhalle nach Reutlingen – 1.100 Personen. In Sackelhausen lebten zu diesem Zeitpunkt weniger als 100 Personen und heute sind es weniger als 5 Personen.

 

Wir sind stolz, dass in diesem Jahr 29 Erwachsenenpaare (davon 10 Paare von den Tanzgruppen des KV Reutlingen und KV Singen) und 9 Kinderpaare die schöne Kirchweihtracht tragen.

Im Mittelpunkt einer Kirchweih stehen immer das Vortänzerpaar und die Nachtänzerpaare, dieses Jahr sind es:

- Vortänzer: Dorothea und Richard Wetzler

- 1-ter Nachtänzer: Hedi und Hans Pless

- 2-ter Nachtänzer: Martina und Erich Buchmann

 

Und wie sagte man so schön – umso mehr Gäscht, umso mehr Ehr!

Als Ehrengäste begrüße ich:

- Herrn Peter Dietmar Leber, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben

- Herrn Josef Prunkl, Vorsitzender des Landesverbandes Baden-Württemberg der Banater Schwaben

- Frau Christine Neu, stellvertretende Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben

- Herrn Siegfried Thumm, Bezirksbürgermeister in Rommelsbach

- Herrn Thomas Keck, Bezirksbürgermeister in Betzingen

- Herrn Dr. Alfred Zawadzky, Vorsitzender der HOG Temeschburg

- Herrn Michael Koppi, Ehrenvorsitzender der HOG Sackelhausen mit Ehefrau Gerda

- Herrn Norbert Merkle, Vorsitzender des Stadtverbands der Donauschwaben Reutlingen

- Herrn Mathias Possler von der HOG Jahrmarkt mit Ehefrau

- Frau Margaretha Mayer, Lehrerin i.R.

- Frau Katharina und Franz Willjung

- Frau Katharina und Michael Schuller

- die Donauschwäbische Blaskapelle Reutlingen

- den Banater Chor Reutlingen

- die Jahrgänge 1956, 1941, 1946 und 1951, die ihre Jubiläen feiern

 

Zu uns spricht:

Josef Prunkl

Siegfried Thumm

 Wie bei allen Kirchweihfesten trägt das Vortänzerpaar den Kirchweihspruch vor.

 Der Banater Chor begleitet von der Donauschwäbischen Blaskapelle singt zwei Heimatlieder, die jeder mitsingen kann.

 

Nach alter Tradition wird nach dem Vortanz  zum 1. Mal in Deutschland der Tellertanz getanzt, bei dem der Kerweihvater seines Amtes waltet.

 

Der Kirchweihstrauß wird dem Ehepaar Hedi und Hans Pless für ihre langjährige Mitarbeit in unserer Gemeinschaft überreicht. „Hut und Halstuch“ wird dem Kapellmeister der Donauschwäbischen Blaskapelle Herrn Johann Frühwald, der bei all unseren Festen für beste Unterhaltung sorgt, und seiner Ehefrau überreicht.

 

Die Kindertrachtenpaare führen einen Tanz, einstudiert von Liliana Bugarin, die Tanzgruppen des KV Reutlingen und des KV Singen führen ebenfalls einen Tanz vor.

 

Alle Ehrengäste werden von der Vortänzerin und einem Kindertrachtenpaar durch Überreichen einer mit Rosmarinzweigen geschmückten Quitte symbolisch zum Kirchweihfest eingeladen.

 

Im Namen des Vorstands der HOG Sackelhausen bedanke ich mich bei allen, die zum guten Gelingen unseres Kirchweihfestes beigetragen haben – bis zur nächsten Kerweih!!!

Nikolaus Fuhry   

Ansprache von Josef Prunkl, Landesvorsitzender Baden-Württemberg (hier: Auszüge)

Für mich ist es heute eine Ehre, hier das Grußwort des Landesvorstandes Baden-Württemberg der Landsmannschaft der Banater Schwaben über­bringen zu können, Ihrem Jubiläumsfest - 60 Jahre Kirchweih in der neuen Heimat ein gutes Gelingen zu wünschen und Sie, liebe Sackelhausener Landsleute zu Ihrem großartigen Wirken im Rahmen der HOG zu beglückwünschen!

Tüchtig waren die Sackelhausener in der alten Heimat, tüchtig sind sie in der neuen Heimat….

Die Erinnerung an die verlorene Heimat kann nur erhalten werden, wenn sie intensiv gepflegt wird. Es ist Ihnen gelungen, die Tradition und Kultur der Banater Schwaben zu bewahren und sich trotzdem in der neuen Heimat zu integrieren. Beides ist unverzichtbar, um der Jugend Identität und Orientie­rung zu geben. …

Wir bekennen uns gerne zu unserem Brauchtum, wir bekennen uns gerne zu unserer Tracht. Denn wir wissen, dass wir damit Herkunft bekunden, Bekenntnis zur Heimat leisten. Jede Tracht spricht eine Sprache, sie ist über Jahrhunderte gewachsene Kultur. Bekenntnis zur Gemeinschaft. Und das ist wichtig denn:

Jede Gemeinschaft steht und fällt mit dem Willen ihrer Mitglieder, sich zu dieser Gemeinschaft zu bekennen, sich in diese Gemeinschaft einzubringen, aktiv, konstruktiv.

Sie liebe Landsleute, sorgen durch Veranstaltungen wie diese, dass unsere Gemeinschaft, unsere Traditionen weiterleben, der Zusammenhalt und die Bewahrung des kulturellen Erbes auch weiterhin Zukunft haben und uns auch weiterhin in unserem Verband zusammenführen.

Wir sind hierhergekommen um uns eine sichere Gegenwart und unseren Kindern eine gute Zukunft zu sichern. Wir wollten weg von einer Diktatur in eine Demokratie. 

Die Gegenwart ist das Einzige was uns sicher ist, schreibt eine große Zeitung.

Nutzen sie sie. Jeder Tag kann ein ganzes Leben sein. Jeder Tag kann aber auch einen Grundstein legen für das, was uns bevorsteht, für unsere Zukunft, für die Zukunft unserer Kinder.

Und für diese Zukunft wünsche ich der Heimatortsgemeinschaft  Sackelhausen, dieser engagierten Gemeinschaft, weiterhin alles Gute, viele weitere Erfolge  in der Erhaltung und Verbreitung unseres Banater Brauchtums zu Ihrem Wohle, zum Wohle unserer Gemeinschaft….

 

Ihnen weiterhin angenehme, erinnerungsträchtige Gespräche, gute Unterhaltung – ein schönes Jubiläums - Kirchweihfest 2016!

Ansprache Siegfried Thumm - Bezirksbürgermeister Rommelsbach

Sehr geehrter Herr Fuhry, werte Mitglieder der Heimatortsgemeinschaft Sackelhausen, meine sehr verehrten Damen und Herren,

60 Jahre Sackelhausener Kirchweihfest mit Heimattag in der neuen Heimat Reutlingen: Das ist ein Grund zum Feiern.

Ich bedanke mich für die Einladung und begrüße Sie zu diesem Jubiläum hier in der Wittumhalle in Rommelsbach auf das Herzlichste. Im Frühjahr und Herbst häufen sich die Veranstaltungen. Deshalb ist die Oberbürgermeisterin der Stadt Reutlingen heute durch anderweitige Terminverpflichtungen gebunden.

Ich darf Ihnen daher herzliche Grüße von Frau Bosch überbringen und möchte wiederholen, was Frau Bosch bei ihrem letzten Besuch des Sackelhausener Kirchweihfestes im Jahr 2010 hier in der Wittumhalle gesagt hat: „Es ist wunderbar, dass es dieses Fest gibt!“

„Verlassen, verloren, vertrieben. Einfach so. Nur die Erinnerungen sind geblieben. Aber die Liebe zur Heimat nie vergessen.“ Diese wenigen Worte aus einem Gedicht der Ostpreußin Waltraud Abraham beschreiben eindrucksvoll die Situation aller Vertriebenen und Flüchtlingen.

Viele von Ihnen haben in und um Reutlingen und gerade auch hier in Rommelsbach eine neue, eine zweite Heimat gefunden, vor allem Donauschwaben und Banater Schwaben. Auch die Rommelsbacher Wittumhalle ist ja seit nunmehr 10 Jahren dem Sackelhausener Kirchweihfest zur Heimat geworden.

Ich denke, das russische Sprichwort: „Die ursprüngliche Heimat ist eine Mutter, die zweite eine Stiefmutter“ beschreibt ziemlich gut ihre Gefühle, die Sie bewegen, wenn Sie heute mit Ihrem Fest die kulturelle Tradition Ihrer Heimat feiern und bewahren.

Ich wünsche Ihnen und uns einen schönen und unterhaltsamen Abend hier in Rommelsbach.

Siegfried Thumm - Bezirksbürgermeister Rommelsbach

Kirchweihspruch vorgetragen vom Vortänzer Richard Wetzler

Kerweispruch 2016

 

Buwe was han mer heit?

Ich begrieße eich liewe Leit,

en Reitlinge, of dr Sacklaser Kerwei heit,

Kerwei es, des es doch klor,

es allerschentschte Fescht em Johr.

Ob jong, ob alt, om so a Zeit,

fend jeder do bei ons sei Freid.

Die jonge, die juxe sowieso,

on och die alte Leit sen froh.

Freindliche Gsichter, luschtiche Leit,

so feiert Sacklas sei Kerwei heit!

Kerwei!!!!!!

 

Alte Sitte, alte Braich,

halt onser Volk in Ehre,

on ans, des son ich eich,

des wird ons kanner mi verwehre.

Schwowisch senge, schwowisch rede,

han mer geleert schon en dr Wieh,

on ich kann mei Kopp verwette,

sei Motterspruch vergesst mer nie.

Wann manche o so ton on mache,

iwer die, kann mer doch nor lache!

Kerwei!!!!!


Die Weibsleit han heit, frot mich net,

met de Mannsleit ehre Gfrett.

Des es mol so , de leit em Blut,

wanns och die Weiwer foxe tot.

Weiwer, macht eich nor ka Sorche,

weil die jo doch net of eich horche.

Mir han doch onser Kerwei heit,

on horche mol, om so a Zeit,

welle Männer sich mol sonne,

on ter werds ne doch vergonne.

Losst se gewähre sie sen froh,

an der Kerwei, es des emmer so!

Kerwei!!!!!!

 

Die Musikante well ich noch son,

wann die dron sen , sen se dron,

was die kenne - wann se welle-,

do haschts hupse do haschts drelle.

Es es gor scheen wann die dann spille,

on die Poore sich em Kreis rumdrille,

Männer weist mol was dr kennt,

wann die Alt och morje schennt,

ruhich gefft se schon von lanich,

on dir werd eich schon nomol anich.

Kerwei!!!!

 

Die scheene Med en ihrer Tracht,

se onzuschaue es a wahri Pracht,

drom, liewe Leit und liewe Gescht,

losst uns feire onser scheenes Kerweifescht!

Buwe was han mer heit?

Banater Chor begleitet von der Donauschwäbischen Blaskapelle

Die Donauschwäbische Blaskapelle Reutlingen ließ das Fest beschwingt ausklingen.