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Kranzniederlegung Friedhof Römerschanze Reutlingen

Kirchweihfest - Wittumhalle Reutlingen

Kirchweihfest mit Heimattag der Heimatortsgemeinschaft Sackelhausen in Reutlingen
Ehrung von Bürgermeister Robert Hahn

Zum 53. Mal feierte die Heimatortsgemeinschaft Sackelhausen ihr traditionelles Kirchweihfest mit Heimattag in Reutlingen. Begonnen hat das Fest, wie es stets Tradition war in der alten Heimat, mit einem feierlichen Gottesdienst in der Aussegnungshalle auf dem Friedhof Römerschanze. Und dennoch war es eine Premiere, die Banater Gemeinschaftsmesse von Martin Metz komponiert für Banater Landsleute, sehr melodiös und terzenreich, wurde erstmals von dem Banater Chor Reutlingen unter der Leitung von Hans Neu gesungen. An der Orgel saß der Organist und Musikwissenschaftler Dr. Franz Metz aus München, Vorsitzender des Gerhardsforum Banater Schwaben e.V., Sohn des 2003 verstorbenen Komponisten.

In seiner Predigt sprach Msgr. Andreas Straub, Visitator der Donauschaben, über den Erzengel Michael, dem die Kirche in Sackelhausen geweiht ist. Pfarrer Robert Dürbach, Vorstandsmitglied des Gerhardsforums, las das Evangelium und konzelebrierte.

Nach dem Gottesdienst bewegte sich die Festgemeinde mit einem Trauermarsch unter den Klängen der Original Donauschwäbischen Blaskapelle Reutlingen zum Sackelhausener Gedenkstein. Dort wurde vom Jahrgang 1949 ein Blumenkranz zu Ehren der Toten niedergelegt. „Die Ursache warum wir uns hier zu einer Gedenkfeier versammeln, ist eine traurige Geschichte vom Krieg und Deportation in den vierziger und fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts“ betonte Katharina Gibson, in ihrer Ansprache.

„Erinnerung muss Menschen zusammenbringen anstatt sie zu trennen“ forderte der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel. Erinnern wollen auch die Banater Schwaben an ihrem Kirchweihfest an ihre Vergangenheit als deutsche Minderheit in Rumänien. In seinem Grußwort überbrachte Bundestagsabgeordneter Ernst-Reinhard Beck die Grüße von Erika Steinbach, Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen. Der Jahrgang 1949 sei ein guter Jahrgang – betonte Beck – auch unsere Bundesrepublik feiert in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag und die Integration der Vertriebenen und Aussiedler in die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Strukturen unseres Landes sei eine der wichtigsten Erfolgsgeschichten der Neuzeit gewesen.

Dr. Franz Metz wies darauf hin, dass auch mehr als 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Aufarbeitung der Geschichte und Kultur der Aussiedler noch lange nicht beendet ist. Die meisten der Banater Schwaben sind erst seit etwa 20-30 Jahren in Deutschland und es gibt große Defizite in der wissenschaftlichen Aufarbeitung ihrer Kultur und Geschichte. Durch die schleppend stattgefundene Ausreise aus Rumänien und die langsame Ausblutung dieser Minderheit in Rumänien, konnten nur bedingt Kulturinstitutionen geschaffen werden, die sich diesem Anliegen widmen.

Im Foyer der Wittumhalle wurde ein Film aus der alten Heimat präsentiert, Edeltraud und Erich Willjung hatten diesen zusammengestellt.

Um 19:00 Uhr konnte die Vorsitzende der Heimatortsgemeinschaft Sackelhausen Katharina Ortinau über 400 Gäste begrüßen, vorwiegend ehemalige Sackelhausener mit ihren Kindern, die inzwischen voll integriert sind in der neuen Heimat, in Deutschland.

„Es ist deutsches Erbe aus bestem Schrot und Korn, ein Stück Tradition aus der Urheimat mitgebracht, treu bewahrt und vermehrt, das nun mehr und mehr in sein ursprüngliches Bett zurückfließt.“ Dies sind die Worte des ehemaligen Banater Bischofs Sebastian Kräuter (1922-2007) aus dem Jahre 1995. Heute kann man feststellen, dass sich der Kreis geschlossen hat und fast alle Banater Schwaben in die Heimat ihrer Vorfahren ausgewandert sind, von wo sie im 18. Jahrhundert in das damalige Ungarn zogen. Und dies aus einem einzigen Grund: „Dan hier ist beser zu leben als in dem schwaben land“ – wie ein Kolonist in einem Brief seinen Verwandten in Süddeutschland schrieb.

Mit dem Einzug der 20 prächtigen, farbenfrohen Trachtenpaare angeführt vom Vortänzerpaar Kerstin und Markus Katzenmayer, wurde sichtbar, wie lebendig Tradition und Kultur sind und gelebt werden.

Als Ehrengäste konnten Staatssekretär Dieter Hillebrand MdL, Verwaltungsbürgermeister Robert Hahn, Gabriele Gaiser, Stadträtin, Elisabeth Hillebrand, Stadträtin, Josef Prunkl, Landesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben in Baden-Württemberg, Michael Koppi, Ehrenvorsitzender der HOG Sackelhausen und Vertreter anderer Landsmannschaften begrüßt werden.

Auch in diesem Jahr wurde der von Elisabeth Schwarz wunderbar geschmückte Rosmarin-Strauß verschenkt. Anni Uitz erhielt diesen für ihren besonderen Einsatz für die HOG Sackelhausen im Laufe der Jahre: Einlernen der Tänze und Aufmarsch am Kirchweihfest, Vorbereitungen mit den Kindern für Frühlingsfeste – und Weihnachtsfeier.

Auch die neu gegründete Trachtengruppe des Kreisverbandes Reutlingen der Banater Schwaben hatte an diesem Abend einen ihrer ersten Auftritte.

Die Landsmannschaft der Banater Schwaben hat in diesem Jahr eine Medaille gestiftet, die Adam Müller-Guttenbrunn Medaille. Die Ehrung mit der Adam Müller-Guttenbrunn-Medaille gilt als Ausdruck der Dankbarkeit und Anerkennung für besondere Leistungen um die Banater Schwaben. Diese Auszeichnung der Landsmannschaft der Banater Schwaben soll zugleich auch die Verbundenheit mit der Geschichte sinnfällig machen.

Verwaltungsbürgermeister Robert Hahn, ein mächtiger Fürsprecher aus dem Reutlinger Rathaus, welcher die Verbände der Banater Schwaben und die der Donauschwaben bei der Verlegung des Adam Müller-Guttenbrunn Denkmales, dass fünfzig Jahre in der Mahdach-Siedlung in Reutlingen-Ohmenhausen stand, kräftig unterstützte, wurde an diesem Abend von der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben e.V. Katharina Ortinau mit der Adam Müller-Guttenbrunn-Medaille geehrt.

„Sie sind durch ihre Geschichte mit dem Thema Heimat konfrontiert worden, sie mussten die alte Heimat verlassen und haben hier in Reutlingen eine neue gefunden“ so Bürgermeister Robert Hahn. Und dass Kultur Heimat schafft, laut Motto der Heimattage in Reutlingen, sehen die Banater Schwaben als Aufgabe und Recht diese Kultur hier in der neuen Heimat zu bewahren und zu pflegen.

Die äußerst erfolgreiche Integration der Banater Schwaben nach Flucht oder Auswanderung hier in Deutschland ist genauso wertvoll wie die Möglichkeit, hier unsere eigenen kulturellen Traditionen zu pflegen. Diese beiden Seiten ein und derselben Medaille beweisen, dass wir es ernst meinen mit den Werten, die uns unsere Eltern mit auf den Weg gegeben haben. Dazu gehört ein langer Atem, Beständigkeit, Glauben und Verständnis für andere Menschen irgendwo auf dieser Erde, die durch Vertreibung oder Auswanderung ein ähnliches Schicksal erleiden mussten.

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