Wappen

Berührende Begegnung mit der Vergangenheit

Als Nikolaus Welker, geboren 1920 in Sackelhausen, erfährt, dass der Freizeitservice Öffentlicher Dienst eine Reise nach Georgien und Armenien plant, fragt er sofort an, ob diese Reise auch an den Sewansee in Armenien führe und ob es möglich wäre, dort auch ein bestimmtes Kraftwerk zu besichtigen. Eine Reise an die Stätte eines Martyriums, das Welker 60 Jahre zuvor erlebt hat, beginnt.

Voller Hoffnung und Anspannung tritt Welker die Reise an. In Ried/Oberösterreich zu Hause, fährt er am Vorabend nach Wien, um sogleich auf dem Flughafen in Schwechat einzuchecken. Es ist bereits 23:00 Uhr, als Welker mit den Formalitäten fertig ist, und nun steht er ohne Hotel da. Kurzum, mit 88 Jahren verbringt er die Nacht auf dem Flughafen, um am Morgen pünktlich beim vereinbarten Treffpunkt zu sein.

Mit 40 weiteren Reiseteilnehmern geht es nun nach Tiflis. Welker kennt keinen der Teilnehmer, findet aber schnell Kontakt und wird von allen, schon wegen seines hohen Alters, sehr geschätzt. Von seinem Vorhaben, wusste nur einer.

Tiflis, die Heerstraße im Kaukasus, die schönen Kirchen, das Weingebiet – die Zeit vergeht rasch, und bald steht die Gruppe mit dem Bus an der Grenze zu Armenien und nimmt Kurs auf den Sewansee.

Gleich nach der Grenze finden mit den Reiseleitern erste Gespräche statt. Aber offenbar weiß niemand etwas von einem Kraftwerk, das noch dazu unter dem See sein soll. Selbst am Sewansee angekommen, ist weit und breit nichts zu erkennen. Welker wird immer ruhiger. Man kann bereits traurige Augen erkennen, bis plötzlich eine der Reiseleiterinnen bescheinigt, dass es so ein Kraftwerk gebe und dass sie bereits mit Gästen aus Deutschland dort gewesen sei. Für diesen Tag gibt es also keine Chance mehr. Es gilt daher, die Vorbereitungen für den kommenden Tag zu treffen. Mittagessen und Abendessen sind für Welker gestrichen, und am Vormittag des kommenden Tages verlässt er bei der Stadtbesichtigung in Erewan den Bus nicht. Er will auch mit niemanden sprechen, so angespannt ist er.

Am Nachmittag treten Welker, Kumhofer, die armenische Reiseleiterin und ein Fahrer mit einem Mietauto erneut die Fahrt an den Sewansee an, um einen Ein- bzw. Ausgang am Berghang zu suchen, von wo man zu diesem Kraftwerk vordringen kann. In dem am Vortag von der Reiseleiterin beschriebenen Dorf, ist jedoch weit und breit nichts zu erkennen. In einem Bauernhaus erkundigt sich die Reiseleiterin, und händedeutend wird ihr eine Richtung angezeigt. Wieder geht es einige Kilometer auf einer Straße, die ob der riesigen Schlaglöcher eine derartige Bezeichnung nicht verdient, weiter. Plötzlich steht mitten in der Wildnis ein rostiger Schlagbaum, der nicht zu öffnen ist, und in einer Entfernung ein Wächterhaus, das Einrichtungen in der Russenzeit in Österreich gleicht. Dort sitzt ein Mann, der nun erklärt, dass Feiertag sei und es keine Besichtigung gäbe.

Immer mehr schwindet Welkers Hoffnung, das ersehnte Ziel doch noch zu erreichen, sieht doch das Gelände in keiner Weise dem gleich, was er anzutreffen erhofft hat. Nach längeren Verhandlungen mit der Reiseleiterin geht nun dieser Mann wieder in sein Wächterhaus und greift zu einem Telefonhörer.

Schließlich erscheint bei einem Tor, das in den Berg führt, ein Mann. Die Gruppe folgt ihm etwa 300 Meter in einen Bergstollen. Für Welker ist es noch eine unbekannte Welt. Plötzlich verbreitert sich der Stollen, eine Tür zu einem Aufzug öffnet sich. In der Meinung, nun gehe es nach oben – denn der See liegt ja in 1.900 Meter Höhe-, fährt er unerwartet nach unten. Laut Reiseleiterin geht es 80 Meter in die Tiefe. Für Welker noch immer nicht das, was er sucht, und beklemmend für jeden, der solche „Unterberg-Wanderungen“ nicht gewohnt ist.

An der Ausstiegsstelle geht es wieder einige Meter einen Stollen entlang. Plötzlich steht die Reisegruppe vor einer Halle, vergleichbar mit einem Kirchenschiff, 30 bis 40 Meter hoch und ebenso breit. Welker schaut auf: „Das ist es.“ Er hält sich den Kopf, taumelt zur Mauer und hält sich fest. Schweigend betrachten ihn die Anwesenden. Sein Gesicht ist bleich. „Wie geht es dir?“ fragt der Begleiter. „Ist es Hass? Ist es Verzweiflung? Freude?“ – „Nein, nichts davon. Nur 60 Jahre meines Lebens laufen in meinem Kopf ab wie ein Film.“

Und dann erzählt er: Als er 1945 von den Amerikanern gefangen genommen war, kam er mit weiteren tausenden Gefangenen in ein Lager in Oberösterreich. Von dort wurde er über Nacht von den Russen nach Armenien verschleppt. 6.000 waren sie in diesem Lager, das zuvor ein Schafstall gewesen war und erst geräumt werden musste. Dort waren sie untergebracht, jahraus, jahrein, egal bei welchem Wetter. In drei Schichten gingen sie täglich in den Berg, je 2000, bewacht von 60 uniformierten Russen, das Gewehr im Anschlag. Dreimal am Tag gab es Suppe, unzählige Todesfälle durch Steinschläge und andere tragische Geschichten. Kein Hass, sondern Erinnerungen an Kameraden, an Freundschaften die entstanden sind.

Im „Dom“ selbst erkennt er, dass zum Zeitpunkt seines Verlassens der Schacht und erst ein Drittel des heutigen Doms ausgegraben gewesen sind.

Das Kraftwerk selbst ist voll in Betrieb. Sein Zustand entspricht der Technik der 50er- Jahre. Einige Hundert Meter stürzt das Wasser in die Tiefe, betreibt zwei Turbinen und fließt weiter, um die Halbwüste zu befruchten. Ein wenig Stolz ist auch dabei, an so einem technischen Meisterwerk beteiligt gewesen zu sein.

Einen Teil seines Ziels hat Welker erreicht. Aber noch ist er nicht zufrieden. Er will auch den Friedhof besuchen, wo viele seiner Freunde die letzte Ruhe gefunden haben, und dort ein Gebet verrichten. Erst nach langem Suchen kommt ein entscheidender Hinweis, die Reisenden finden ein paar Quadratmeter großen Friedhof, in der Mitte ein großes Holzkreuz, verstraut ein paar kleine Steinkreuze. Das „Türl“ ist verschlossen, das Schloss rostig und nicht zu öffnen…er geht in ein entferntes Eck des Friedhofs und betet.

Ohne ein Wort zu sprechen tritt man die Rückfahrt nach Erewan an, Welker beginnt wieder zu sprechen und erzählt eine weitere, fast unglaubliche Geschichte.

Die Russen haben einen Wettbewerb durchgeführt und angeboten, wer mehr als 100 Prozent Arbeitsleistung erbringe, werde frühzeitig entlassen. Jeder wollte die Chance nutzen, so auch Welker. Unvorstellbare 270 Prozent hat er gebracht. Aber wie? Er erzählt: Mit dem Bohrhammer wurden Löcher in den Stein gebohrt, diese wurden mit Sprengstoff gefüllt, und dann wurde das Gestein abgesprengt. Nachdem aber der Stein nicht bis zum Ende der Bohrung springt, verblieb ein kleines, mit Sprengstoff gefülltes Loch im Stein. Dort weiterzubohren war lebensbedrohlich, denn das Anbohren des Sprengstoffs konnte zu einer Explosion führen. Er versuchte, mit einem kleinen Meißel das Bohrloch auszuloten, und wenn kein Sprengstoff mehr vorhanden war, konnte er ohne Gefahr weiterbohren.

38 Männer durften das Lager frühzeitig verlassen.
Nikolaus Welker war einer davon.

Katharina Ortinau

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Magdalena Wilhelm - zum 91. Geburtstag !




Fragt man jemanden von den Sacklasern nach Frau Magdalena Wilhelm- hört man bestimmt: na wer ist denn das? Sagt man aber s´: Messmer Len, dann weiß jeder um wen es geht.

Man hat sofort das freundliche Gesicht mit den strahlenden Augen jener Frau vor sich, die unzählige Trachten genäht hat, in Sacklas und auch in Deutschland. Wie viele Frauen hat Sie wohl vom „schwowische“ „herrisch“ gemacht ?

Auch die schönen Sacklaser Trachten der Heimatortsgemeinschaft Sackelhausen hat Sie genäht. Es war ein guter Grund, an einem schönen sonnigen Winternachmittag, mit Laptop und der DVD der Sacklaser Kerweih von 2006, die Weß Len zu besuchen, Adelheid Schuller, Jakob Schuller und ich.

Freudestrahlend hat Sie uns empfangen, Nussstrudel stand schon auf dem Tisch, der Kaffee war auch schon gekocht, die Weinflasche gerichtet; Gastfreundschaft ist eben eine besonders ausgeprägte Tugend bei uns Banater Schwaben.

Jakob Schuller durfte sofort die Sacklaser Trachtenpuppe aus der Vitrine heraus nehmen und auf den Tisch stellen, wie immer wenn es darum geht, von unserer Tracht zu reden und die zu zeigen, zu erklären.

Am 13. März 1916  in Sacklas geboren und in der Wallachsch-Gass gewohnt, hat Weß Len schon mit 16 angefangen zu nähen, zu „bohren“ wie Sie sagte. Die Passion und der Wille zum Lernen waren sehr groß, so groß, dass Sie sich das Meiste selbst beigebracht hatte. Die ersten Trachten hatte Sie wohl schon 1926-27 genäht, dunkle Farben dominierten, erst nach den Kriegsjahren kamen helle Farben auf für die Trachtenkleider. Auch Ihr verstorbener Mann war Schneider, es gab wohl kaum jemand in Sackelhausen der nicht beim „Rausch-Schneider“ im Haus war. Mit zwei Naumann und einer Singer Nähmaschine war die Familie Wilhelm der großen Nachfrage des „Nähen lassen“ gut gewappnet. Über 7.000 Lei hat Weß Len in einer Saison von Sommer bis Kerweih verdient. Das war viel Geld!    

Zwei Söhne hat Weß Len geboren, Hans 1939 und Michael 1942, einer von ihnen erlernte auch den Schneider-Beruf.

Auf die Frage ob Sie weiß wie viele Trachten aus ihrer Hand entstammten, sagt Weß Len: „ach, hätt ich nur meine Maßbücher nicht daheim gelassen!“    

Da Sie zur Kerweih ja nicht mehr gehen konnte, hatten wir  eine DVD von unserem letzten Kirchweihfest, dem 50.mitgenommen und ihr gezeigt. Beim Zeigen dieser hat Weß Len die Banater Hymne gesungen! Man konnte schon eine Gänsehaut bekommen.

Mit Begeisterung hat Sie jedes Kerweihmädchen angeschaut und sofort erkannt wo der Unterrock zu lang, der Seidenrock zu kurz, das Schultertuch nur mit zwei Falten gesteckt war. Bewundernswert Ihr wacher Geist, Ihre flinken Augen und Finger, nichts blieb unentdeckt.

Anhand der Trachtenpuppe wurde uns die ganze Strategie des „schwowisch Anziehens“ und der „Kunst des Nähens“ erklärt, die Länge der Unterröcke, die Breite, die Art der Spitzen, von Halbrock, Zwickelblatt, Falten nach rechts und nach links gelegt, Schultertuch und Flitschen, Arschplätscher, Samtleibchen, Saum, Besatz und Latz wurde gesprochen.

Es war ein unvergesslicher Tag für alle Beteiligten und man wünscht sich solche Momente auf ewig festzuhalten.

Der Weß Len wünschen wir von Herzen alles Gute, alles Liebe, Gesundheit allen Dingen voraus. Möge Sie noch  ein schönes Weilchen an ihrer Nähmaschine, die in der Küche steht, nähen……und uns aus Ihren Erinnerungen noch oft erzählen.

 

Katharina Ortinau

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Magdalena Pinzhoffer Kunstwerke - Handarbeit

Magdalena Pinzhoffer

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Fern… und doch so nah

Dom in Großwardein
die Bischofsweihe am 7.03.09
Bischof Ladislaus Böcskei
Dr. Franz Metz und Dr. Agnes Watzatka in Budapest

die Domkirche in Temeswar
der Dom bei Nacht

Am 4.März 2009 begann die Reise, von Reutlingen nach München, am frühen Morgen des 5.März, ging es mit Dr. Franz Metz, dem bekannten Musikwissenschaftler, am Steuer und Monsignore Andreas Straub, dem Visitator der Donauschwaben und Deutschen aus Südosteuropa, erstmal nach Budapest. Was mit kleinen „Pannen“ begann, sollte zu einer der beeindruckendsten Wochen in meinem Leben werden: eine Reise in das Banat- eine Reise durch Europa.
Herzlich und freundlich war der Empfang im Deutschen Haus in Budapest, festlich geschmückt der Saal in welchem „Das Kirchenlied der Donauschwaben“, eine Dokumentation des Kirchenliedes der deutschen Katholiken Südosteuropas, von Dr. Metz, dem Autor, präsentiert wurde.
Mit Begeisterung folgte das Auditorium dem Referenten, das Gefühl, dass alle Anwesenden die gleichen Wurzeln, die Liebe zum Gleichen Kulturgut haben, wurde sehr schnell deutlich. Die Lieder des Frauenchores und das gemeinsame Singen aller Anwesenden, bezeugten dies sehr emotional.
Durch die pannonische Ebene ging es weiter am 6.März, Großwardein war das Ziel, die Bischofsweihe. Majestätisch ragt der 1752-1780 erbaute Dom in den Himmel. Der Grundstein wurde von Graf Paul Forgách, Bischof von Großwardein gelegt, entworfen von Franz Hillebrant, Architekt aus Wien. Geweiht am 23.Juni 1780 von Graf Ladislaus Kollonitz, die Kuppel gemalt von dem Künstler Johannes Nep. Schöpf. Der Rest der Malerei ist das Werk des Franz Storno jun. in den Jahren von 1878-1880. Die Bischofsresidenz ließ Baron Adam Patachich, Bischof von Großwardein im Jahre 1762-1767 erbauen. Sie ist das Werk von Franz Hillebrant. Die Vorderfront ist 102 m lang, die Seitenflügel sind je 42,90 Meter lang. Die Wandmalereien der Kapelle sind das Werk von Johannes Nep. Schöpf, der Festsaal wurde im Jahre 1879 von Franz Storno im Auftrag von Bischof Stephan Lipovnicky gefertigt. Der Bischofsstab vom Jahre 1750 mit den emmailierten Bildern von Sankt Ladislaus, dem Schutzpatron der Diözese und der Mutter Gottes, wurde in Wien gefertigt.
Am 7.März um 10:00 Uhr begann dann die Bischofsweihe von Msgr. László Böcskei, 32 Bischöfe, über 150 Priester in einem voll besetztem Dom verfolgten 4 Stunden lang die festliche, emotionale Zeremonie einer Weihe.
Der zum Bischof Erwählte legte sich vor den Altar auf den Boden als Zeichen seiner vollen Hingabe. Die ganze Kirche erbittete von Gott für seinen künftigen Dienst, Hilfe und Kraft. Dabei wurde die Allerheiligenlitanei gesungen.
Danach legten alle Bischöfe dem künftigen Bischof schweigend die Hände auf. Anschließend wurde das Weihegebet gesungen. Während dieser Zeit hielten zwei Diakone das Evangeliar geöffnet über dem Erwählten. Am Schluss wurde das Weihegebet mit dem gesungenen „Amen“ in dankbarer Freude bestätigt.
Das Haupt des neu geweihten Bischofs wurde mit Chrisam gesalbt und es wurde ihm das Evangeliar überreicht. Danach wurden dem neuen Bischof die Insignien überreicht: der Ring und die Mitra.
Bei der anschließenden Agape war Gelegenheit dem neuen Bischof zu gratulieren, Gespräche zu führen und auch neue Kontakte zu knüpfen.
Noch am gleichen Abend ging unsere Reise weiter, Ziel war das Banat, unsere alte Heimat. In Pankota wurden wir vom dortigen Pfarrer freundlich empfangen. Am nächsten Morgen, dem 8.März besuchten wir Sanktanna, den Heimatort des Msgr. Straub. Er zelebrierte die Gottesdienste in Alt- und Neu Sanktanna. Für die Gläubigen war es ein ganz besonderer Tag, herzlich dankbar waren ihre Worte, wohltuend das „nicht im Stich gelassen werden“ Gefühl!
Die Basilika Maria Radna, das Schmuckstück der Diözese Temeswar, wurde, nach zwei Vorgängerbauten aus den Jahren 1520 und 1651, in den Jahren 1756 bis 1767 im spätbarocken Stil erbaut. Auch hier nagt der Zahn der Zeit, die Renovierungsarbeiten gehen nur schleppend voran, es fehlt, wie überall, an Geldern.
Geprägt von einem „nicht helfen können“ Gefühl wurde die Reise fortgesetzt, das neue Ziel Temeswar. Ein freundlicher Empfang im Ordinariat der Diözese, bei Herrn Bischof Martin Roos krönte diesen besonderen Tag.
Der 9. März, die Gelegenheit meine Heimatgemeinde zu besuchen. Das unverlorene Herzstück der Gemeinschaft und des Dorfes, das Gotteshaus bleibt erhalten.
Das Rot der neuen Ziegel auf dem Kirchendach glänzte schon aus der Ferne, unsere Kirche hat ein neues Dach bekommen! Unser Dank gilt dem Ordinariat in Temeswar, es war Generalvikar Böcskei, der neue Bischof von Großwardein, der die Arbeiten der HOG in der alten Heimat mit Rat und Tat unterstützt hat.
Am 23. Dezember 2008 wurde Msgr. László Böcskei, bis dato Generalvikar der römisch-katholischen Diözese Temeswar, von Papst Benedikt XVI. zum Diözesenbischof von Großwardein ernannt. Am 11. Juli 1965 in Gataja, Kreis Temesch, geboren, absolvierte er sein Studium in Karlsburg / Alba Iulia und wurde am 24. Juni 1990 in Temeswar zum Pfarrer geweiht. Ab 1991 wurde er vom damaligen Diözesenbischof von Temeswar, Msgr. Sebastian Kräuter, zum Bischöflichen Sekretär ernannt und am 29. August 1999 wurde er vom damaligen neuen Diözesenbischof von Temeswar, Msgr. Martin Roos, zum Generalvikar berufen.
Am Abend fand im Adam Müller-Guttenbrunn Haus ein hervorragender Vortrag über „Das Kirchenlied der Donauschwaben“ statt, viele Gäste, Fernsehen und die Presse waren vertreten. Noch am gleichen Abend hieß es Abschied nehmen, von lieben Freunden die zurück blieben, Zeugen dessen, dass Banater Schwaben hier immer noch leben.
Abschied von Temeswar, der ersten Stadt Europas mit elektrischer Straßenbeleuchtung, Abschied von Menschen, die in Frieden nebeneinander leben, wie für Europa geschaffen.
In den frühen Morgenstunden des 10. Märzes ging die Reise weiter…durch einen malerischen Landstrich, eine einzigartige Prägung gleich angesiedelter Dörfer, durch das serbische Banat, in die Batschka nach Novi Sad, Neusatz, die heutige Vojvodina.
Neusatz wurde 1694 nach der Eroberung des Gebiets durch die Habsburger unter Prinz Eugen von Savoyen gegründet. Das Stadtzentrum wurde im barocken Stil erbaut. Zu den bedeutendsten Bauwerken der Stadt gehören die Kathedrale, das vom österreichischen Baumeister Alois Kitzweger erbaute Rathaus sowie am gegenüberliegenden Donauufer die Festung Petrovaradin, Peterwardein (errichtet von 1692 bis 1780).
Diese stellte Jahrhunderte lang ein wichtiges Verteidigungsbollwerl des Habsburgischen Reiches gegen das Osmanische Reich dar.
Der Franzose Vauban baute diese zwischen den Jahren 1692 und 1780, riesengroß, mit über 12.000 Schießscharten und 16 Kilometern unterirdischer Gänge. Heute geht es dort friedlich zu, 90 Kunstateliers sowie das städtische Museum von Novi Sad sind untergekommen.
In der St. Rochus Kirche durften die Neusatzer Katholiken und andere Interessierte dem Vortrag von Dr. Metz beiwohnen.
Es war die letzte Station der Reise durch das Banat und die Batschka, einer Landschaft einzigartiger Prägung, einst adrette Bauernhäuser in schöner Ordnung inmitten geometrisch angelegter
Siedlungen aus den Zeiten der Habsburger
Monarchie. Kein Dorf, keine Stadt ohne sakrale Symbole, von kleinen dörflichen Gotteshäusern bis hin zu Dom und Wallfahrtskirchen, Beweise eines reichen kulturellen Erbes.
Zurückgeblieben sind Menschen, die sich bemühen, dieses Erbe vor Ort zu bewahren, Menschen die mittlerweile von den jeweiligen Systemen geprägt, und dennoch mit uns so seelenverwandt sind. Menschen die unsere Unterstützung benötigen, denen wir das Gefühl, nicht allein gelassen zu werden, vermitteln sollten.

Katharina Ortinau

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HOMECOMING

The plane was landing at Munich airport and I could see the land of Germany below me. On board with me were my two sisters, Susanna and Margaret. Our final destination would be Sacalas in Romania. I was born there in 1923 and came to Canada in 1930, my sisters were born in Canada. I can only imagine what their thoughts were, to come to the place where their ancestors were born, lived and died. A place about which they had heard so much about from our parents but had never seen.

Our cousins Jakob and Helli Schuller drove us from Munich to Sacalas, a journey of about 9 hours and I took careful note of the countries we passed through and was pleased to see that the land was prosperous. It was a different story when we entered Romania. There was no super highway, no bright buildings, and land that looked as if it had not been worked.

We stopped in Temesvar for some groceries, then on to Sacalas which lay about 10 km. outside the city. I imediately noticed some small buildings which could have been factories and some newer houses being built on the outskirts. There was a welcoming sign at the enterance with signs nearby which told of the history of the village.

We first drove to the home of Ewald Neu, a cousin whom I had never met. It was his wife’s former family home which he has renovated adding a self contained  addition at the back. It had a large 2 car garage and a cement block high fence around the whole property. It was very impressive.

The next day we visited the St. Michael’s Church where I had been baptised. It was badly in need of repair; the roof leaked, paint was pealing off. windows broken and in generally poor condition. I remember this church very well as it was the main focus of events in the village. The next day, being, Sunday, I was able to celebrate the Mass there with the consent of the Bishop, arranged by Kathi Ortinau, and I am forever thankful to them. My sisters, who sing in a church choir in Canada presented three songs before and during the service. It was a very emotional experience for all of us.

Only about 7 German speaking Roman Catholics remain in the village, the others having left for Germany and other locations, during the Communist regime.

Next we visited the school and the classrooms where I spent my first year of school. It was all the same as it was then; only new desks, which we never had, were in evidence. Like children, we wrote on the blackboard with chalk, who were were and where we came from.

The next day we found the home of my father on Bahnhof Strasse. Again, it was as I remembered, only the summer kitchen and sheep pens were gone. During a terrible wind storm the barn, which had been attched to the hose was torn away and no one has attempted to clean it up. What memories came back to me. Wonderful days with my grandparents, aunts and uncles, they were always so good to me. Der kleine Hansi.

My mother’s family home was in better condition, but again, the summer kitchen was gone as were the other outbuildings. Grandfather Fillmann had a lovely garden where he kept bees. I remember it well because I was stung on the eyelid by one of them. The same storm tore part of the roof off the house and I was pleased to see it thad been repaired. Unlike my father’s family home, the Fillmann home looked very neat and orderly, no messy things lying about.

The main street through the village was paved and they now have electricity, drinkable water and sewage disposal. It was noticable that the streets were in poor condition and that chickens. goats and horses were on the grassy section of the roads. This was never the case when I was a child; all animals were kept in the yard so they would be safe.

Many houses were in poor condition. The ground is quite damp and allows for moisture seepage into the walls, which are made of adobe brick, plastered over and painted. That these homes stood in good repair over 200 years is a testimony to the care and attention they received from their German owners. In many cases the exterior plastering had fallen off and the brick exposed to the elements. It will not be many years before they collapse. As the Germans left, the government moved other families in who had no interest in upkeep.

We also went to the cemetary to visit the graves of our ancestors. It was difficult moving from grave to grave because all was overgrown with weeds, some knee high. Actually, it was a disgrace.When we were introduced to the Mayor he promised to have the cemetary cleaned up. I may just go back next year to make sure. The Chapel in the cemetry has been renovated and looks quite nice. It may happen that the Church will also be renovate but it is a costly project and it may not happen as there are only a handful of German RomanCatholics left in the village.

The railway station was exactly as I remembered it; I visited it often as a child because my Grandfather Neu’s house was very close by.

We spent some time in Temesvar and looked at some of the buildings; some of which are in very poor condition and waiting for someone to claim them so they can be renovated. At one time it was a very beautiful city.

Again, I don’t know what my sisters thought of the village but I was, in some way, disappointed. Naturally nothing remains the same --- ever, but interestingly, I never felt strange during our visit. I knew where everything was and wished it coud have remained the same now as then. It was a good homecoming and I shall remember it all my days. Will I go back? Yes, I may in time. Now that I know what happened during the Communist regime I certainly do not blame the people. I am certain that if the German people had remained everything would be in good order. But now it is the way it is. Will the Germans ever return? I don’t think so. They have made new lives for themseves. happy lives with work, good housing, opportunities for their children, good health care. But the old Heimat will not be forgotten. Sacalaser people in Germany still celebrate the festivals that  were celebrated in Sacalas and they still talk about the good days that were, once up a time.

Auf Wiedersehen, dear land of my birth.

John Neu

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Gregorius-Orden für Dr. Anna Egler

Kardinal Lehmann überreichte päpstliche Auszeichnung

Mainz, 27. November 2009: Kardinal Karl Lehmann überreichte Dr. Anna Egler den päpstlichen Gregorius-Orden im Mainzer Bischofshaus.

 Bistum Mainz / Blum

Mainz. Papst Benedikt XVI. hat die Akademische Direktorin Dr. Anna Egler für ihre Verdienste um die Kirche mit dem Gregorius-Orden ausgezeichnet. Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, überreichte die Auszeichnung am Freitag, 27. November, im Mainzer Bischofshaus. Lehmann hob hervor, dass die Universitätsdozentin a.D. für Kirchenrecht bei vielen Veröffentlichungen von Professor em. Georg May zur Geschichte des Bistums Mainz mitgewirkt habe. Der Gregoriusorden ist eine der höchsten Auszeichnungen, die vom Papst an Laien verliehen wird. Benannt ist die Auszeichnung nach Papst Gregor I. (590 bis 604).

Professor May, der ehemalige Lehrstuhlinhaber für Kirchenrecht, Kirchliche Rechtsgeschichte und Staatskirchenrecht an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz, erinnerte daran, dass Egler in Jahr 1964 bei ihm als studentische Hilfskraft angefangen habe. „Sie war eine treue Begleiterin meiner Forschungen vor allem in Archiven, da sie die Gabe besitzt, alte Handschriften lesen zu können." Egler sei ihm „eine unentbehrliche Hilfe" gewesen. May würdigte sie als „Persönlichkeit, zu der ich wegen ihrer Integrität und Frömmigkeit aufschauen kann". An der Verleihung nahmen auch die Mainzer Weihbischöfe Dr. Werner Guballa und Dr. Ulrich Neymeyr sowie Generalvikar Dietmar Giebelmann teil. Außerdem waren Professor Johannes Reiter, Mainz, Domkapitular Jürgen Nabbefeld und Professor Wilhelm Rees, Innsbruck, zu der Feier gekommen. Mit Rees gibt Egler die Reihe „Kanonistische Studien und Texte" heraus. Außerdem ist Egler unter anderem mit eigenen Beiträgen im „Handbuch der Mainzer Kirchengeschichte" sowie in der Reihe „Germania Benedictina" des Instituts für Mainzer Kirchengeschichte beteiligt.

Mainzer Bistumsnachrichten 2.Dezember 2009

 Lebensdaten

Dr. phil. Anna Egler, Akademische Direktorin i. R.,
Rotkehlchenweg 8, 55126 Mainz

Tochter von Johann Egler und Barbara Egler, geb. Pohr, Lothringer Gasse 105.

Studium der Katholischen Theologie, Germanistik und Geschichte in Mainz und München;
Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien in Germanistik und Theologie,
Promotion in Geschichte;

Berufliche Tätigkeit:
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Kath. Theol. Fakultät/am Fachbereich Katholische Theologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

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Johann Hummel zum 90. Geburtstag

von Mathias Messmer

Ein Mann singt sich in die Herzen seiner Landsleute. Diese Aussage reicht aus, um das Erscheinungsbild und den Charakter eines Menschen näher zu bestimmen. Als Sänger hat er mit seiner Stimme in vielfältiger Weise sein Publikum erfreut, beglückt und in gute Laune versetzt. Aber auch bei traurigen Anlässen stand er immer in erster Reihe um den Betroffenen Trost, Anteilnahme und Mitgefühl mit auf den Weg zu geben. Als Mensch kennzeichnet ihn die Art und Weise wie er Tugenden vorzüglich in die Tat umsetzte. So waren Gastfreundschaft, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Hilfs – und Einsatzbereitschaft für ihn immer eine Selbstverständlichkeit. Auch sein Umgang mit Menschen aller Altersgruppen brachte ihm ein hohes Maß an Beliebtheit ein. Johann Hummel wurde am 24.November 1919 in Sackelhausen geboren. Die Volksschule besuchte er in der Heimatgemeinde. Als Erwachsener arbeitete er auf dem Bauernhof seiner Eltern. Von den Wirren des Zweiten Weltkrieges wurde auch er leider nicht verschont. Heimgekehrt von der Front, heiratete er Susanna Wanko, die der Familie zwei Kinder schenkte. In der alten Heimat wirkte er im Kirchenchor und Begräbnischor und arbeitete beim Staatsgut in Sackelhausen. Ausgesiedelt in die Bundesrepublik Deutschland, stellte er sein Können im Metzinger Kirchenchor sowie dem Banater Chor Reutlingen unter Beweis. Er war ein eifriges, zuverlässiges und beispielhaftes Mitglied dieser Vereine, seine Meinung wurde hoch geschätzt.
In der neuen Heimat gründete er auch den Sackelhausener Beerdigungschor dessen Leitung er bis ins hohe Alter innehatte. Als Gründungsmitglied der Singgruppe Reutlingen war er stets bemüht den Zusammenhalt zu stärken und die Erweiterung zu fördern. Über den Chorgesang hat der Jubilar zum Erhalt und Entwicklung unseres schwäbischen Kulturgutes beigetragen.
Seine besondere Art sich für die Gemeinschaft einzusetzen, brachte ihm die Wertschätzung aller Landsleute. Die Mitglieder des Banater Chores Reutlingen, und jene des Sackelhausener Beerdigungschores wünschen Herrn Johann Hummel die beste Gesundheit und noch viele schöne Jahre im Kreise seiner Familie.

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Dr.- Ing. Josef Pitzer zum 80. Geburtstag

von Katharina Ortinau

…der Direktor vom 6. März…so kennen ihn die meisten Banater Landsleute und insbesondere die Sackelhausener, die recht stolz auf ihn waren und sind.
Dr.- Josef Pitzer wurde am 19. März 1929, als Sohn des Maschinenschlossermeisters Josef Pitzer und der Margaretha geb. Kühn in Sackelhausen, in der Lothringer Gasse Nr. 157 geboren. Im gleichen Haus mit den Großeltern, Jakob Kühn und Eva geb. Peltz, verbrachte er zusammen mit dem älteren Bruder Hans, geb. 1921, eine glückliche Kindheit in der Großfamilie. Die Sommerzeit verbrachte er mit den Kindern der Gasse meistens an der „Stammkaul“. Kindergarten und 5 Grundschulklassen wurden in Sackelhausen besucht, danach wurde die Schulbildung im Lyzeum der Banatia fortgesetzt. Im Herbst 1944, wie für so viele Sackelhausener, die Flucht vor dem Krieg nach Österreich.
Im Sommer 1945 kehrte die Familie zurück nach Sackelhausen, der väterliche Betrieb war enteignet, die Werkstatt ausgeraubt und zerstört. Josef Pitzer verdiente sein Geld als Landarbeiter und Traktorfahrer, bildet sich aber nebenbei durch Fernkurse an der privaten Elektro-Mechanischen Technikerschule in Bukarest weiter. 1948 erhält er sein Technikerdiplom und wechselt 1949 in die Industrie nach Temeswar. 1954 heiratet er Gertrud Barthold, 1955 wird Sohn Horst und 1958 Tochter Traudi geboren, heute haben sie zwei erwachsene Enkeltöchter.
In Temeswar beendet er noch eine Ausbildung als Maschinenschlosser (Qualifizierungskurs), dann wird er als Techniker im Maschinenbaubetrieb „6 März“ tätig. Das Abitur wird in Bukarest nachgeholt, sein Ingenieurstudium absolviert er am Polytechnikum in Temeswar und erlangt den Status eines Diplom-Ingenieurs. ( Maschinenbau) Dem „6. März“ bleibt er treu, ebenso seiner Heimatgemeinde Sackelhausen. Der Wohnort bleibt in der Lothringer Gasse Nr. 157. Von 1966 – 1980 begleitet Dr. Pitzer verschiede Funktionen im Betrieb, promoviert zum Dr.-Ing. am Temeswarer Polytechnikum mit einer interdisziplinären Dissertation über Luftschwingungstechnik. Von 1970 – 1981 ist Dr.-Ing. Josef Pitzer leitender Direktor des „6. März“ Betriebes.
Der Betrieb wird ausgebaut, Arbeitsplätze werden geschaffen, auch für unsere Landsleute, in Temeswar, Groß - Sanktnikolaus und Marienfeld. Mehrere Erfindungen sind Dr.-Ing. Pitzer zu verdanken.
1965 wirkte Dr. –Ing. Josef Pitzer aktiv bei der 200-Jahrfeier in Sackelhausen mit und hielt auf der großen Tribüne die Festansprache in deutscher Sprache.
1981 kehrt Dr.-Ing. Pitzer von einer Dienstreise nach Deutschland nicht mehr zurück, in Abwesenheit wird er von einem Bukarester Militärgericht des Ceausescu-Regimes (wegen Landesflucht) zu 5 Jahren Kerkerhaft verurteilt. 1982 kann die Familie nach Deutschland einreisen. In Deutschland ist er als Konstrukteur, bis zum Ruhestand 1992, im Anlagenbau tätig.
Ab dem 01.03.1982 wird er Mitglied der Landsmannschaft der Banater Schwaben und wirkt sehr konstruktiv im Vorstand des Kreisverbandes Reutlingen der Landsmannschaft der Banater Schwaben und der HOG Sackelhausen mit, er wurde zum Ehrenmitglied sowohl in der HOG Sackelhausen als auch im KV Reutlingen ernannt.
Im Donauschwaben-Kalender veröffentlichte er mehrere Aufsätze, wie auch in der „Banater Post“ und im „Sackelhausener Heimatblatt“.
Im Jahre 1994 wird unter Mitwirkung einer großen Anzahl von Landsleuten das Buch: „Sackelhausen- Anfang und Ende“ veröffentlicht. Diese Arbeit von Dr.-Ing.Pitzer ist vorwiegend eine Dokumentation, da sie hauptsächlich Urkunden, Unterlagen, Daten aus diesen, Aufzeichnungen und Aussagen von Zeitzeugen ans Licht bringt.
Sie soll auf Fragen der Gegenwart und auf Fragen, die man vermutlich in naher oder fernerer Zukunft stellen wird, antworten, wenn es um das Schicksal des Dorfes und der Bevölkerung des ehemaligen deutschen Sackelhausen geht. Auch unseren Enkeln und Nachkommen soll die Möglichkeit geboten sein, die Herkunft ihrer Vorfahren zu entdecken: woher sie kamen, wo sie in Sackelhausen zu Hause waren und wohin sie weiter zogen, wie aus unserer heutigen Sicht der Anfang und das Ende gewesen ist.
Die Geschichte unserer Heimatgemeinde hat Dr.-Ing. Pitzer in dem „Familienbuch der katholischen Pfarrgemeinde Sackelhausen im Banat 1766-1844“ von Josef Kühn in einer geschichtlichen Kurzfassung zusammengefasst und chronologisch geordnet.
Diese wurde von Frau Dr. Lydia Kegler ins Englische übersetzt.
Dr.-Ing. Pitzer erforscht die Herkunft der Siedler der Gemeinde Sackelhausen wie auch die Herkunft der Spitz- und Hausnamen in seiner Heimatgemeinde.
Sein Werk ist es auch die Erforschung der Hausnummern im Ort mit dem Ergebnis einer Umsetzungsliste der alten Hausnummern zu den neuen Hausnummern. Im Heimatbuch Sackelhausen von Nikolaus Fuhry und Peter Hummel, welches 2007 veröffentlicht wurde, erscheint auch die geschichtliche Kurzfassung von Dr.-Ing. Josef Pitzer. Für seinen Einsatz für alle Banater erhält Dr.-Ing. Pitzer 1994 den “Ehrenbrief der Landsmannschaft“, 1997 die „Silberne Treue-Nadel mit Urkunde“ und am 20. März 2010 die Ehrenurkunde des Landes Baden-Württemberg sowie die „Goldene Treue-Nadel mit Urkunde“.
Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Loyalität zeichnet ihn auch heute noch aus, sein Wissen und seine Ratschläge sind immer noch gefragt.
Heute widmet sich Dr.-Ing. Pitzer seiner Familie, seinen Hobbys: Malen, Gartenarbeit und Bienenzucht.

Der Vorstand der HOG Sackelhausen dankt Dr.-Ing. Josef Pitzer für seinen unermüdlichen Beitrag zum Erhalt der Sackelhausener Geschichte und Gemeinschaft und wünscht ihm auch weiterhin die beste Gesundheit und noch viele schöne Jahre im Kreise seiner Lieben!

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Franz Fett zum 80. Geburtstag

von Matthias Wanko, Salzburg

Am 23. März 2009 feierte unser lieber Freund Franz Fett seinen 80. Geburtstag.
Aus diesem Anlass darf ich ihm heute die Silberne Ehrennadel der Banater Schwaben überreichen. Unser Franz ist eigentlich seit dreißig Jahren nicht weg zu denken vom Verein, denn ob es um eine Elektro-Installation oder sonst eine Arbeit im Hause der Donauschaben geht, der Franz macht es. Eine Veranstaltung: Vorbereiten und wieder aufräumen der Franz und seine Hanni sind immer dabei. Man kann es gar nicht beschreiben wie wichtig für einen Verein solche Menschen sind. Ohne Idealisten wie Franz Fett würde sich jede Gemeinschaft auflösen. Unsere Verbindung reicht bis 1959 zurück, so war auch Franz Fett es, der mich 1994 fragte ob ich die Obmannstelle übernehme, langsam wäre eine Übernahme fällig, aber weit und breit kein Nachfolger zu sehen. Doch mit Menschen wie die Fam. Fett wird man immer wieder motiviert weiter zu machen mit unserem guten Team. In diesem Sinne lieber Franz alle guten Wünsche zum 80. Geburtstag und noch viele schöne Jahre von uns allen.

Die Tätigkeit von Franz Fett für die Banater Schwaben

Seit 1989, als es möglich wurde den Landsleuten in Rumänien zu helfen, durch Hilfe des Landes und Magistrates Salzburg Pakete zu schicken, setzte sich Franz Fett für die „Daheimgebliebenen“ ein. Die Pakete wurden von Salzburg mit einem Kleinbus nach Rumänien gebracht und in den einzelnen Banater Ortschaften verteilt.
Ab 1998 wurde dann mit der Caritas Graz- Seckau das Geld an die Caritas in Temeschburg überwiesen, da die Lebensmittel in Rumänien viel billiger waren. Franz Fett ist für Salzburg und Tirol Vertreter der Banater Schwaben, Wien.
Ferner ist Franz Fett Vertreter der Sackelhausener HOG in Österreich und verantwortlich, dass alle Meldungen zur HOG und von der HOG funktionieren.

Veddr Franz war erst 15 Jahre jung als er sein Heimatdorf Sackelhausen durch die Flucht vor dem Krieg und dessen Folgen verließ. Dennoch galt seine Liebe und sein Interesse in all den Jahren seiner alten Heimat. Regelmäßig am Jahresende lieferte und liefert er dem Vorstand der HOG Sackelhausen seinen „Bericht aus Österreich“, stattgefundene Veranstaltungen und Familiendaten. Der Vorstand der HOG Sackelhausen dankt Herrn Franz Fett für seinen unermüdlichen Einsatz und wünscht ihm noch viele Jahre in bester Gesundheit im Kreise seiner Lieben!

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Johann Schmitz zum 80. Geburtstag

von Katharina Ortinau

Der Schmitz Hans, der Kapellmeister, so kennen ihn die meisten Sacklaser aber auch viele Landsleute aus dem Banat. Er wurde am 11. Juli 1929 in Sackelhausen geboren, Sohn von Anna-Maria und Johann Schmitz in der Lothringer Gasse 141. Zusammen mit seiner Schwester erlebte er, wie die meisten Kinder, eine schöne, sorgenlose Kindheit. Kindergartenzeit, Besuch der Volksschule bis zur fünften Klasse, danach drei Jahre Lenau Lyzeum. 4.000 Lei musste man damals für 1 Jahr Lyzeums-Besuch hinblättern, für gute Leistungen gab es ein Stipendium, auch Hansi Schmitz zählte zu den Besten.
1944, gerade mal 15 Jahre jung, trat die Familie die Flucht vor dem Krieg und dessen Folgen an. Es war der letzte Transport der aus Sackelhausen die Menschen in Sicherheit bringen sollte, auf der Flucht vor Krieg und Zerstörung, nicht ahnend welche Gefahren diese Reise in sich birgt. Bei dem vorigen Transport kamen 6 Sacklaser ums Leben, erschossen bei einem Fliegerangriff.
Bis Mai 1945 blieb die Familie in Ybbs in der Wachau, danach hieß es zurück, nach Hause. Nach unzähligen Schikanen kam der Transport in Neuarad an, da wurden die Leute erst mal eingesperrt und zur Arbeit gezwungen. Mit Pferd und Wagen wurde die Familie abgeholt, Hans ging zu Fuß, barfuss, bis Sacklas…so weit die Füße trugen. Um 20: 00 Uhr konnte er in Sacklas „Beht-Glock“ (Bet-Glocke) läuten hören. Das Haus war leer, total ausgeräumt, alles gestohlen, geplündert. Es musste weiter gehen, als Lagerarbeiter in einer Gärtnerei, 2 Jahre bei ICAR, (ein landwirtschaftlicher Betrieb) ackern, säen usw.
Am 19. Dezember 1949 suchte man in der neuen Fabrik Tehnometal in Temeswar eine Musikkapelle, Hans Schmitz stellte sich dort vor, mit einer Musikkapelle die aus Sackelhausener bestand. Musikant lernen, das war für die meisten Banater Burschen eine Selbstverständlichkeit, auch Hans Schmitz hatte bei Mathias Piskay Flügelhorn spielen gelernt. Mit jungen Männern der Jahrgänge 1929 und 1930 konnte er eine gesamte Kapelle bilden. Bei Josef Schuster (Mähz) lernten viele andere Sacklaser Burschen ein Musikinstrument, Konkurrenz gab es damals schon. Nach einer Militärzeit von 1951 – 1954 in der Kohlengrube in Petrosani und Petrila, einer furchtbaren Zeit unter Tage, sollte es ab April 1954 mit dem Musikwirken richtig aufwärts gehen. Die ersten Noten wurden während der Militärzeit geschrieben. Juni 1954 heiratet er Susanna Stumpillich, im Oktober gründete er seine erste eigene Kapelle, bei Michael Glatt in der Sommerküche in der Wallachsch - Gass. Ca. 10 Mitglieder gehörten ihr an, eine Streich – Musik – Kapelle: Piston, Klarinette, Trombon, Akkordeon und Schlagwerk. (obwohl kein einziges Streichinstrument dabei war. Warum dann „Streichmusik“? Ursprünglich war dies eine Musik die mit Streichinstrumenten gemacht wurde: Geige, Bratsche (etwas größer als die Geige, tiefer klingend), Violoncello (im Sitzen gespielt) Dazu brauchte man mindestens 4 Musiker: Geige - sopran, Bratsche – alt, Violoncello- Tenor, Barinton, Kontrabass – Bass. Man begann „Eckenbähler“ zu spielen.
„Gegenüber der ehemaligen Temeswarer Mecherschen Spielzeugwarenfabrik in der Josefstadt befanden sich die Räumlichkeiten der ehemaligen Eisenhandlung der Firma Jäger. Nach der Verstaatlichung der Betriebe hielten hier die Werkstätten einer Reschitzer Bauunternehmung ihren Einzug, in denen Bauwerkzeuge hergestellt wurden. Die Jahre vergingen, aus den damaligen kleinen Werkstätten in der Josefstadt wurde an anderer Stelle Temeswars der damals in seiner Art einzigartige große Betrieb des Landes für Bauwerkzeuge, Baumaschinen und Ausrüstungen „6. März“, 6 Martie“!

Es wurde der Arbeitsplatz für viele unserer Landsleute, auch Johann Schmitz gehörte dazu.

„Johann Schmitz und Gusti Knab aus Freidorf waren die Meister der Pressenabteilung und der Gesenkschmiederei. Unter der heutigen Belegschaft sind die Namen der Genannten kaum noch bekannt, diese aber waren zu ihrer Zeit die wahren und sind heute die vergessenen Meister“. („Vergessene Meister“ von Dr.-Ing. Josef Pitzer)

1955 wurde der Sohn Hansi geboren, das erste Kirchweihfest fand in Sacklas statt, mit Kapellmeister Schuster, danach übernahm Hans Schmitz beide Kapellen. Er wurde Kapellmeister und sollte es bis 1984 bleiben, bis zu seiner Ausreise nach Deutschland. 1958 wurde Töchterchen Gerti geboren, die Familie wohnte bei den Schwiegereltern in der Klaan - Kreizgass, Nr. 81. Faschingball, Rekrutenball, Kirchweihfest, jeden Samstag oder Sonntag außerhalb der Fastenzeit,
Tanz - Musik, Hochzeiten und Beerdigungen wurden gespielt. Aber nicht nur in Sacklas, auch in Mercydorf, Orzydorf, Tschakowa und Perjamosch hatte die Kapelle ihre Auftritte.
Zu den Aufmärschen am 1. Mai, 23. August, Ernterdankfest (ziua recoltei) wurde regelmäßig für das Vaterland "Marsch-Musik" gemacht. Im Kulturheim in Sackelhausen wurde unentgeltlich 1-mal pro Woche geprobt.
All die Musiknoten schrieb Schmitz Hans selber, zuerst vom Tonband des Nachbarn Lauersch Juri, der regelmäßig Bänder aus Deutschland erhielt, später kaufte er sich ein eigenes Tonband, unzählige Male wurde das Band vor und zurück gespult bis die Noten geschrieben und auf dem Flügelhorn vorgespielt waren, und das, für alle Musikinstrumente.
Sein erster Stück schrieb er von Ott Sepp’s (+) Platte: „Mondschein an der Eger“!
Auch vom Bayrischen Rundfunk oder von einem ungarischen Sender (wenn man diese empfangen konnte) wurden Noten abgeschrieben. So konnte er vom ungarischen Sender die Noten „Wo die Donau fließt nach Süden“ schreiben. Mit viel Gefühl und Geduld schrieb er alle Noten, wie viele es waren, weiß Schmitz Hans gar nicht, alle! Nur eines konnte dem Schmitz Hans seine Kapelle nicht: rumänische Volksmusik spielen (muzicä popularä) sowie ein Rumäne keinen Ländler spielen kann, so kann auch kein Banater Schwabe eine „invärtitä“ spielen!

Der Vorstand der HOG Sackelhausen wünscht dem Schmitz Hans die beste Gesundheit und noch viele schöne Jahre im Kreise seiner Familie und sagt ihm ein herzliches Dankeschön für seinen Beitrag zur Erhaltung des Kulturgutes Blasmusik!

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Treffen

hab mir das Sacklaser Heimatblatt angesehen.
einige bekannte Gesichter.. aber die Namen fehlten mir;

andere erkannte ich erst nachdem ich die Unterschriften
(Namenreihe unter den Fotos) gesehen habe!

Gratulation zur Aufmachung des Büchleins:

ein super toller Einband!!!!

Hochglanz... wie nobel :-)))

Erinnerungen aus alter Zeit..

die Kirche, die Schule...Pfarrer Hampel,

Seite 10 - Billetersch Grete... unsere ehemalige Nachbarin aus der 6. Gasse, die ich aber meine Ma nicht mehr erkannt hat...

Seite 16 - Klassentreffen der 49er

Reihe 2: 4te von links... müsste mein Onkel... Tettampel Michel.. einst 7te Gasse - sein???

Seite 19 - von den 1959er hab ich auch einige sofort wiedererkannt
aber erst beim 3./ 4. Blick.. den Namen dann (ohne zu lesen)

teils haben sich die Madels /Jungs nicht wirklich verändert...

Seite 20.--- die Schulklasse von meiner kleinen Schwester (1969er)..
da seh ich meine Cousine -Renate und Tettampel Erich (mit dem wir glaub ich auch über 7 Ecken noch verwandt sind???)

mann, sind die alle groß ((ALT geworden))

:-)))

41 Jahre.... wo bleibt die Zeit nur!!!

Von den Kerweihpaaren.. da kenn ich fast keinen mehr, das sind ja alle die Kids von ehemaligen.. gleichaltrigen oder paar Jahre unter /über mir....

ein paar alte Gesichter (Sacklaser Musikanten) ....

Seite 62-- der Musikant.. Schmitz Hans... 80 Geb.

rechts /Seite 63.. dann die Musikanten...
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auf dem Frühlingsfest.. Seite 74.. hab ich auch so das ein oder andere Gesicht wiedererkannt...

Seite 87.. die Glatt-Lehrerin...

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was mich total ins Staunen gebracht hat, ist Seite 93: Johann Götz (gestorben????
Woran / und wann ist der junge Mann denn gestorben??

Johann Lorenz.. auch gestorben?????

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Kirche.......... Wolfsberg........Kirche..........
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eine schöne Erinnerung.. da war ich auch mal mit der Schule
und mal alleine mit Margareta Hummel (Reiter)
und nach paar Tagen kamen unsere beiden Schwestern nach..

womit wir nicht gerechnet hatten!!!!

:-))

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nicht zu guter letzt.. Fotos aus unserer Kirche und zum Abschluss ein Foto von der Hauptstraße
((nehm ich an .. in Sacklas???) und die Blumenpracht.. Pipatsche und Kornblumen!!!

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Weltverstehen und Zugehörigkeit

Heinrich Lauer

 

 

Stiller Abschied von Heinrich Lauer
(27. Mai 1934 – 14. April 2010)
                                                                                                                                                von Dr. Walther Konschitzky

Er war ein Mann des Wortes, und er wog jedes, das er niederschrieb. Tausende Seiten aus seiner Feder wurden gedruckt. So leicht wie er schrieben nur wenige Redakteure der Zeitung, an der wir viele Jahre lang Kollegen, oft auch gemeinsam auf Dienstreisen durch das Banat unterwegs waren. Hier begegnete er den Menschen, als wären sie alle aus Sackelhausen, das machte das Gespräch leicht und offen – zumal in unseren schwäbischen Dörfern. Es war so, als führte er einen Plausch von gestern Abend über Gott und die Welt weiter, so als wohnte man in der gleichen Gasse. Und so kam er unversehens zum Kern der Sache. Er war ein Kenner des Menschenschlags, über den und für den er schrieb. Und es war noch mehr: Er kannte die Seele des Banater Dorfes und er blieb ihm verbunden. Nach einem Lichtbildvortrag in München, bei dem ich über die Banater Schwaben und ihre Volksbräuche gesprochen hatte, fragte ich ihn, ob er unter den vielen Menschen auf den Bildern jemanden erkannt habe. Er sagte kurz, fast freudig: „Jo – alli! Alli han ich se gekennt.“

Und so war es wohl auch. Die Welt seiner Landsleute war im Grunde seines Wesens die eigene, und sie blieb es auch, als 1953 aus Temeswar, wo er die Fachschule und das Abendlyzeum an der Lenauschule besucht hat, aus einem Textilbetrieb nach Bukarest zur Zeitung wechselte. Und sie blieb es auch, als er 1980 von Bukarest nach München zog und hier mit Frau und den drei Kindern ein neues Zuhause aufbaute. Für eine Tonkassette, die er mit der Landsmannschaft der Banater Schwaben herausbrachte, hat er dieses schicksalhafte Heimatverhältnis in ein knappes, treffendes Wort gefasst und als Titel gewählt: „Das Banat – Nähe und Erinnerung“. Für ihn schaffte nicht allein der unmittelbare Umgang sondern auch Erinnern jene Nähe und Wärme, die er in alles legte, was er über seinen Herkunftsraum und seine Menschen geschrieben hat. Er trug diese Landschaft, so wie er sie sich bewahrt hat – und wie sie doch schon lange nicht mehr war –, als etwas Unveräußerliches mit sich: als Erbe und Quelle. Wie viel er daraus täglich für sein Leben gewinnen und weltverdeutlichend einsetzen konnte, wird erfahren, wer sich Heinrich Lauers publizistischen Texten nähert; Wesentliches daraus ist auch in Sammelbänden erschienen: Ein Trojanisches Pferd gesucht (Temeswar 1974), Nahaufnahme (Bukarest 1978) und zwei Jahrzehnte später in Deutschland Vorsicht Adjektive, erschienen im Verlag des Südostdeutschen Kulturwerks in München.

Heinich Lauer fasste Heimat weiter als die Grenzen seines Banats. Er erfuhr auch in Siebenbürgen heimatliche Nähe und nicht allein, weil es die Herkunftsgegend seiner Frau war. Er fühlte sich den Menschen und ihren Kirchenburgen ebenso verbunden wie den stattlichen Städten und Marktflecken im Transsilvanischen Hochland. Und er liebte nicht allein die Banater Berge und etwa die Deutschenböhmendörfer Wolfsberg und Weidenthal, er liebte auch die Karpaten; er liebte die Blasmusik, aber die Lieder der Hirten auf ihren Flöten gingen ihm nahe. Eine schwermütige Ballade im besonderen: jene vom Hirten, der seine Herde verloren hat. Sie erklang auch bei der Trauerfeier im Feldmochinger Friedhof in München, wo, gemeinsam mit seiner Familie, eine große Zahl von Freunden, Kollegen und Bekannten aus dem Banat, aus Siebenbürgen, aus Bukarest und aus München Abschied von Heinrich Lauer nahm.

Was hinterlässt ein rastlos Schreibender wie er? Es ist ein gerüttelt Maß Lebens- und Welterfahrung, die der aufgeschlossene Menschenfreund, der neugierig Fragende und aufmerksame Zuhörer gehortet hat. Er hatte aber nicht nur Erfreuliches zu berichten. Neben den heiteren Geschichten und Schnurren, die er 1969 unter dem Titel Das große Tilltappenfangen und andere Schwabenstreiche in Bukarest herausgebracht hat, schreibt er auch von dem Schrecken, den er nach der unbeschwerten frühen Kindheit als Zehnjähriger im Spätsommer 1944 kennengelernt hat. „Die Russe kumme“ – der Aufschrei im Dorf wurde auch für ihn zu einem furchtbaren Wort. Nur gelegentlich erzählte er über die Flucht seiner Familie vor der Roten Armee, als die Welt auch in seinem Ort zusammengebrochen, der Großteil der Dorfbewohner auf dem Weg ins Ungewisse Richtung Westen war und der Junge zu erfahren begann, was Krieg wirklich ist. Flucht, Heimleben mit Lagercharakter, Misshandlungen von Kindern, das alptraumhafte Erleben der Scheinerschießungen, die Angst der Eltern um das schon verloren geglaubte Kind – heute kaum noch fassbar – scheinen auf in seinem Roman Kleiner Schwab – großer Krieg. Dass Lauer ein halbes Jahrhundert später so Erschreckendes und wahrhaft Schreckliches aus der Sicht des betroffenen Kindes auf der Flucht und in der Fremde dennoch im Ton tieferen Verstehens darzustellen vermochte, verwundert jene, die ihn nicht wirklich kannten: Es gelang, weil der Autor mit jener Zeit seinen eigenen Frieden gemacht hat. Vergessen aber hat er nichts – auch davon spricht sein Roman.

Es war aber die Reportage, die Heinrich Lauer am meisten lag. Hier lebte er sprachlich plastisch – spielend scheinbar – aus, was er von der Welt kennen gesehen und gelernt hat und mitteilenswert fand. Und es war bei Gott nicht wenig, womit er sich auseinandergesetzt hat. Ob als Redakteur der Bukarester deutschen Tageszeitung Neuer Weg (1953-74) oder als Mitarbeiter der Zeitschriften Volk und Kultur (1974-77) und Neue Literatur (1977-80) oder in Deutschland als Redakteur der Zeitschrift Schöne Welt der Deutschen Bundesbahn– was er neugierig aufnahm, gab er mitteilungsfreudig weiter. Es war ihm vergönnt, viel Schönes zu sehen, auch weit über Deutschland hinaus, und es werden wohl Millionen Fahrgäste gewesen sein, die mit Muße gelesen haben, was und wie er darüber zu berichten wusste. In seinen Texten schien immer etwas von der Lebensfreude auf, die er auch im Umgang ausstrahlte, so dass viele seiner Geschichten und Berichte, zuversichtlich und aufbauend wirkten, und nicht selten jene im Kern versöhnende Lösungen bargen, die einen heiteren, still-vergnügten Abschluss zuließen: Das Leben kann weitergehen. Ein Ton mit Seltenheitswert in unserer Medienlandschaft.

Fügt man aufmerksam zusammen, was Heinrich Lauer in über fünfzig Jahren publizistischen Wirkens festgehalten hat – gelegentlich, vornehmlich in den in Rumänien erschienenen Texten, muss man sich auch in der Kunst des Lesens zwischen den Zeilen üben –, so ergibt sich daraus ein weitreichender Überblick auf das vergangene Jahrhundert der rasanten wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung in seinem Herkunftsgebiet, dem Jahrhundert der Weltkriege mit ihren Opfern, der Enteignung und der Deportationen nach Russland und in die Bărăgansteppe, aber auch des zermürbenden langsamen Niedergangs in den Jahrzehnten der zweiten Hälfte. Lauer verstand sich vornehmlich als Berichterstatter, nicht als politischer Wortführer seiner Gruppe. Er sprach mutig Dinge an, die mancher lieber umging. Er sprach auch Unangenehmes und Bedrückendes an, aber er tat es aus dem Bewusstsein, dem Verständnis und der Überzeugung heraus, dass in einer Gemeinschaft nicht Anklagen Generationen mit unterschiedlichem Erleben und Erfahrungshintergrund einander näher bringen, vielmehr Worte, die zusammenführen wollen, auch die Menschen seines Dorfes und seines Herkunftsraumes, wie er sie von frühester Kindheit her kannte. Seinem Dorf fühlte er sich auf eigene Weise zugehörig. Er schöpfte viel aus der Erinnerung an seinen Heimatort; ja, ich meine, er zehrte ein Leben lang davon. Wer seinen Worten und Formulierungen nachgeht, gelangt sicher nicht zufällig immer wieder an die gleiche Quelle. Und wer dem Widerhall tragischer Ereignisse und heiterer Begebenheiten in seiner Darstellung folgt, gelangt gleichfalls an jenen Ort des Ursprungs, von dem aus Heinrich Lauer als Kind in einer Zeit der Bedrängnis den Weg hinaus in die große Welt antrat. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Auf seltsame Weise hatte für ihn alles Wesentliche einen Bezug zu Sacklas. Zu dem Ort, wo sein Herz hingehörte und vielleicht auch zu Hause war.

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Herzliche Geburtstagsgrüße zum 70. Geburtstag
Michael Koppi wurde 70 Jahre alt

 

„Geburtstag gibt Gelegenheit zum Blick nach vorne und zurück
auf die vergangene Lebenszeit und auf das kommende Wegestück.“

 

Michael Koppi wurde am 30. Juni 1941 in Sackelhausen geboren, eine von Unruhen und Kriegen geprägte Zeit, die ihm und vielen anderen keine schöne Kindheit bescheren sollte.
Kindergarten, Grundschule, Abitur und Ausbildung erfolgten in Sackelhausen/Temeswar, 1961 reiste er mit seiner Mutter in die Bundesrepublik Deutschland aus. Beim Sackelhausener Kirchweihfest im Jahre 1961 in Wannweil, organisiert von Michael Schäfer, lernte er Brauchtumspflege mit Trachtenträgern und Musik in der neuen Heimat kennen. Ab sofort engagiert er sich für die landsmannschaftliche Arbeit, baut auf das von Michael Schäfer erstellte Fundament auf und erweitert gewaltig den soliden Bau: Der Sacklaser Ballungsraum Reutlingen/Metzingen/Wannweil   sollte es ihm leicht machen. Von 1986 -2006 war er Vorsitzender der HOG Sackelhausen, bei den Neuwahlen vom 12.11.2006 wurde er zum Ehrenvorsitzender der HOG Sackelhausen ernannt. Die Gemeinschaft der Sackelhausener hat ihm und all seinen treuen Wegbegleitern im Vorstand der HOG viel zu verdanken. In diesem Sinne führt der 2006 und 2010 gewählte Vorstand die Arbeit der Heimatortsgemeinschaft Sackelhausen traditionsbewusst mit Herzblut weiter.

„Wir wünschen Dir für künft’ge Tage eine doch recht schöne Zeit
den richtigen Blick für jede Lage und ein großes Quantum Fröhlichkeit.“
                                                                                                         Egon Eisenmann

Der Vorstand der HOG Sackelhausen

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