Wappen

Banater Schwabenzug

 

Es zogen einst in Scharen

viel Menschen ins Banater Land,

per Schiff, mit Pferd und Wagen

der Schwabenzug wurd’ er genannt.

 

Sie rodeten und gruben

und bauten Dörfer auf,

sie pflügten und sie säten

und ordneten der Flüsse Lauf.

 

Sie hielten hoch in Ehren

der Ahnen Brauch und Sitte,

sie bauten Schulen, Klöster

die Kirch in Dorfes Mitte.

 

Durch ihrer Hände Arbeit

entstand ein blühend’ Land,

der Weizen und die Weine

sie waren Welt bekannt.

 

Der letzte Krieg hat viel zerstört

in Scherben lag die Welt,

so mancher junge Schwabensohn

fiel an der Front als Held.

 

Und viele sind geflüchtet

mit wenig Hab und Gut,

zurück ins Land der Ahnen

ging nun der Schwabenzug.

 

Der Rest verschleppt in Russlandlagern,

und and’re in die Steppe verbannt,

wir waren plötzlich Feinde

im einst so schönen Heimatland.

 

Wen wundert’s dass wir zogen

voll Hoffnung in das Mutterland,

wir hatten keine Zukunft

mehr im Banater Land.

 

Doch sollt hier jemand fragen

woher und wer ihr seid,

erzählt eure Geschichte

der Schwaben Kampf und Leid.

 

Und sagt es euren Söhnen

und auch dem Enkelkind.

Denn keiner muss sich schämen

dass wir Banater Schwaben sind!

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Meiner Mutter letztes Wort

 

Als ich zuerst das Haus verließ,

wo beten ich gelernt und lieben,

da fühlt’ ich aus dem Paradies

der Kindheit mich hinausgetrieben.

 

Ich weinte laut in bittrer Qual,

und meine Seel’ empfand ein Grauen,

als ahnt’ ich, dass zum letzten Mal

ich durft’ ins Mutterauge schauen.

 

Sie hat sich still zu mir gebückt,

des Schmerzes Fieber mir zu kühlen,

hielt fest mich an die Brust gedrückt,

ich konnte ihren Herzschlag fühlen.

 

Dann sprach sie leise: „Liebes Kind,

versprich mir nur, die Sünd’ zu hassen!

Dann fürchte nichts! Wer Gott gewinnt,

steht niemals in der Welt verlassen.“

 

Und ich versprach’s und stürmte fort,

ihr Wort ich tief ins Herz mir prägte;

des Lebens Glutwind hat verdorrt

viel’ Blüten, die so treu sie pflegte.

 

Wohl irrt’ ich oft – wer irrte nicht?

Und manchmal musst’ ich einsam klagen,

dann sah ich sie im Traumgesicht

und hört’ sie leis die Worte sagen –

 

Bald mild, bald ernster: „Liebes Kind,

versprich mir nur, die Sünd’ zu hassen!

Dann fürchte nichts! Wer Gott gewinnt,

steht niemals in der Welt verlassen.“

 

Den Irrenden führt’ es zur Reu’

Dem Zagenden konnt’s Trost bereiten;

Dies Mutterwort, ein Schutzgeist treu,

soll stets durchs Leben mich begleiten.

 

In einem alten Gebetsbuch in Sackelhausen gefunden

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Heimweh Gedanken 1948

 

Immer wenn es Abend wird

wenn die Sterne scheinen,

geht ein Zittern durch mein Herz

wie ein stilles Weinen.

 

Traurig die Gedanken ziehen

dann nach der Heimat weit,

ach, wo bist du geblieben

du schöne Jugendzeit?

 

Nikolaus Vorberger

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Mein Kamerad…Russland 1949

Weit drüben neigt die Sonne sich

vor mir ist Stacheldraht,

ich steh an einen Baum gelehnt

bei mir mein Kamerad.

 

Wir kennen uns seit langer Zeit

er spricht ein leises Wort,

er denkt, sehnt sich wie ich so oft

nach seinem Heimatort.

 

Er flüstert leise vor sich hin

schaut durch den Stacheldraht,

ich weiß, dass er genau wie ich

ein großes Heimweh hat.

 

Nikolaus Vorberger

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 Wer nie den Hunger Du genannt,

was weiß denn der von Brot?

Wer nie in dunkle Nacht verbannt,

was der von Morgenrot?

Wer nie in harter Fron geächzt,

was der von freiem Gang?

Wer dürstend nie danach gelechzt,

was der von kühlem Trank?

Wen nie die Willkür ausgespielt

auf’s dampfende Schafott,

von tausend Ängsten angerührt,

den Satan im Genick gespürt,

was weiß denn der von Gott?

In der Zwangsarbeit entstandenes Gedicht.

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