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Musikalisches Feuerwerk der Superlative

Franz Metz (Orgel), Helmut Kassner und Franz Tröster (Trompete) konzertierten in Reutlingen

Bei vollbesetzter St. Wolfgangskirche gaben die drei Banater Musiker Sonntag, 12. Sept. 2010, in Reutlingen ein hochkarätiges Konzert, das den Besuchern noch lange Zeit in Erinnerung bleiben wird: ein Feuerwerk der Superlative!

Schon das Programm war glücklich ausgewählt und bestand hauptsächlich aus barocken Meisterwerken für zwei Trompeten und Orgel (Transkriptionen). Gleich das erste Stück – das Konzert für 2 Trompeten und Orgel von A. Vivaldi – ließ die Virtuosität der Solisten und die einfühlsame Begleitung verspüren, auch für Laien ein guter Einstieg. Ähnlich bei den weiteren Barockwerken von Franceschini, Manfredini und in der Suite von Händel, in denen die Solisten fast spielerisch mit ihren Instrumenten umgingen. Die Klangkombination von Barocktrompeten und Orgel ließ das Publikum aufhorchen: die Königin der Instrumente (die Orgel) konzertierte mit dem Instrument der Könige (der Trompete). Franz Tröster und Helmut Kassner gelingt es immer wieder den Bogen von der Volksmusik zur Klassik zu spannen. Beide sind aktive Mitglieder der Original Egerländer Kapelle, mit der sie einige Stunden davor noch in Tschechien – zum ersten Mal im Egerland – unterwegs waren. Und nach kurzer Zeit konnten sie sich problemlos in die Musik des italienischen Barock meisterhaft einfügen. Franz Metz rundete das Programm mit einem Werk von Bach ab, danach erklangen zeitgenössische Orgelwerke zweier rumänischer Komponisten: Drei Präludien nach orthodoxen Gesängen aus dem Banat, komponiert vom Temeswarer Gheorghe Firca und eine virtuose und effektvolle Toccata des Bukarester jüdischen Komponisten Alfred Mendelsohn. Die neue Späth-Orgel der Reutlinger St. Wolfgangskirche konnte durch diese Werke ihr ganzes Klangspektrum entfalten und ihr majestätischer Klang wie auch die runden Klänge einzelner Register konnten sich im ganzen Kirchenraum homogen verbreiten. „So virtuos ist diese Orgel wohl noch nicht allzu oft gespielt worden“ so eine Konzertbesucherin aus Reutlingen. Sowohl im polyphonen Werk Bachs wie auch in den beiden anderen Kompositionen, die mit viel Können registriert wurden, bewies der Interpret seine langjährige Erfahrung und seinen meisterhaften Umgang mit der Orgel. Der lange anhaltende Beifallssturm der zahlreichen Zuhörer wollte kein Ende nehmen und viele der Banater Landsleute die aus allen Richtungen Baden-Württembergs angereist sind, wünschten recht bald ein weiteres solches Konzert mit diesen drei Musikern erleben zu können. Rundum: ein großer Erfolg für die drei Solisten und ein Happy End und viele Gratulationen für die Veranstalter, der HOG Sackelhausen, dem Kreisverband der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Reutlingen, und dem Gerhardsforum Banater Schwaben e.V., München.
„Es ist deutsches Erbe aus bestem Schrot und Korn, ein Stück Tradition, aus der Urheimat mitgebracht, treu bewahrt und vermehrt, das nun mehr und mehr in sein ursprüngliches Bett zurückfließt“ Als der ehemalige Bischof der Banater Schwaben, Msgr. Sebastian Kräuter, Temeswar, diese Worte schrieb, begann sich um 1990 der Kreis zu schließen: die meisten Banater Schwaben wanderten in das Land ihrer Vorfahren aus, von wo diese vor fast 300 Jahren ausgewandert sind. Auch die drei Solisten dieses Konzertes sind nicht nur durch ihre Musik miteinander verbunden, sondern auch durch ihre Herkunft. Sie entstammen schwäbischen Dörfern des Banats, absolvierten ihre Musikstudien an renommierten Musikhochschulen Rumäniens und stellen heute Ihr Können in den Dienst der Kultur und der Mitbürger ihrer neuen Heimat. Die Tradition der Blechbläser stand im Banat in hohen Ehren und entstammt der böhmischen Musikkultur, die die Einwanderer aus Böhmen und Mähren zum Beginn des 19. Jahrhunderts ins Banat mitbrachten. Auch die ersten Orgeln dieses europäischen Kulturraums wurden von böhmischen Orgelauern errichtet. Die im Konzert vorgetragenen Werke für Trompete und Orgel gehören zu den Meisterwerken der Musikliteratur. G. Firca gelang es zum ersten Mal mit seinen Drei kleinen Orgelpräludien typische Gesänge der rumänisch-orthodoxen Kirche auf die Orgel zu übertragen. Alfred Mendelsohns „Toccata“ erklang an dem Abend anlässlich des 100. Geburtstags dieses bedeutenden jüdischen Komponisten Rumäniens.

Die drei Musiker sind nicht nur durch ihre Musik miteinander verbunden, sondern auch durch ihre Herkunft: sie stammen alle drei aus dem Banat.

Dr. Franz Metz, geb. 1955 im Banat, bekam seinen erster Klavierunterricht in Lugosch bei Martin Metz, Dr. Josef Willer und Prof. Clara Peia; nach Abschluss der Hochschule für Musik, Bukarest, bis 1985 als Organist und Dirigent in Temeswar tätig; ab 1985 in Deutschland als Stiftskantor in Hechingen und ab 2000 als Kirchenmusiker, Organist (St. Pius) und Musikwissenschaftler in München tätig; seit 1975 Orgelkonzerte an vielen bedeutenden Orgeln Europas; Einspielungen für Rundfunk, Fernsehen und CD-Produktionen; musikwissenschaftliche Arbeiten über kirchenmusikalische Themen, zur Geschichte des südosteuropäischen Orgelbaus und zur Musikgeschichte der Donauschwaben; Vorlesungen an in- und ausländischen Universitäten; Leiter mehrerer musikwissenschaftlicher Forschungsprojekte; Initiator und langjähriger Leiter der Internationalen Temeswarer Orgeltage; Herausgeber zahlreicher kirchenmusikalischer Werke deutscher Komponisten Südosteuropas; Leiter mehrerer musikwissenschaftlicher Forschungsprojekte in Rumänien, Ungarn und in den Ländern Ex-Jugoslawiens.
(www.edition-musik-suedost.de)

Helmut Kassner , geb. 1960 im Banat, war Schüler des Temeswarer Musiklyzeums, danach Student an den Musikhochschulen Klausenburg und Karlsruhe. Als Trompeter wirkte er am Pfalztheater Kaiserslautern, am Badischen Staatstheater Karlsruhe und tretet seit vielen Jahren mit der Baden-Württembergischen Philharmonie Reutlingen auf. Als Pädagoge wirkt er an den Musikschulen Ehingen (Donau) und Reutlingen und leitet den Musikverein Dußlingen. Wie sein Kollege Franz Tröster, versteht er es, die Grenzen zwischen E-Musik, Volksmusik und Musical durchlässig zu machen, spielte als 1. Flügelhornist bei Ernst Mosch und seinen Original Egerländer Musikanten, denen er als Mitglied bis heute treu geblieben ist. Helmut Kassner führt die reichhaltige Blasmusiktradition seiner Banater schwäbischen Heimatgemeinde Jahrmarkt in Reutlingen Baden-Württemberg weiter.
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Melton: Helmut Kassner)

Franz Tröster , geboren 1962 im Banat, begann mit 10 Jahren das Trompetenspiel, wechselte an das Temeswarer Musikgymnasium und studierte anschließend an der Musikhochschule Klausenburg. Er nahm erfolgreich an mehreren nationalen und internationalen Wettbewerben teil und spielte bereits als Solo-Trompeter verschiedener renommierter Orchester. Auch seine Offenheit gegenüber Jazz, Musical und volkstümlicher Musik brachte ihm zahlreiche Rundfunk-, Fernseh- und CD-Produktionen und einen Auftritt in der Carnegie Hall in New York ein. Als Solist, Studiomusiker und Pädagoge ist Franz Tröster gleichermaßen gefragt. Neben seinen konzertanten Verpflichtungen arbeitet er als Dozent für Trompete und als Dirigent.
(Festliche Trompetenklänge mit Franz Tröster/doku.php
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Katharina Ortinau